Für mich fangen die Ferien schon 5 Tage früher an, da ich ein Praktikum am Centre de Formation in den Pyrenäen erleben werde. Eine sehr lange Reise, die ich aus Preisgründen mal wieder mit dem Busunternehmen Eurolines bestritt.

Doch fast hätte ich meinen Euroliner nach Perpignan verpasst, nicht weil ich zu spät dran wäre, sondern weil ich die schicke Karre nicht erkannt hatte. Normalerweise sind Euroliner-Büsse groß, etwas älter und haben osteuropäische Fahrer. Doch dieser Bus war ein nobler Mercedes-Kleintransporter, dessen Innenausstattung eher einem gehobenen Bordell entsprach, statt eines Busses für Billigreisen. Und der Fahrer war ein gestresster Deutscher…

Doch schon in Karlsruhe stieg ich um, in den üblichen Eurolines-Flair.

Unbequem kann so billig sein. Ihre Eurolines!

Spanische, lebensfreudige Fahrer, die kein einziges Wort deutsch können und englisch nur in Bruchteilen. Wie lange die Pausen sind, erfährt man mit Händen und Füßen von den rund 95 % spanischen Insassen.

Dafür merkt man gleich, dass hier eine andere Mentalität herrscht. Sicherheitsgurte weit und breit nicht zu sehen. Dass der Bus somit gar nicht in Deutschland Personen transportieren darf, wird auch „laxo“ genommen.

03 Wohnhaus Centre

Das Wohnhaus des Centre de Formation von Süden

Dann überqueren wir den Rhein und sind in Frankreich. Viel verändert sich da nicht, bis auf die Sprache der Werbung und dass es an jeder Straßenecke ein Tabak-Shop gibt. Zum Schutz der Jugendlichen sind Zigarettenautomaten in Frankreich verboten, wodurch es diese extreme Häufung der Tabakläden gibt. Doch mein erster Eindruck zeigt, dass in Frankreich allgemein mehr Jugendliche rauchen als in Deutschland.

Schon die ganze Fahrt über läuft hier eine Musik, die eine Stimmung verbreitet, wie sie auf der besten Party nicht zu finden ist. Man fühlt in dem Bus ein Stückchen spanisches Territorium mitten in Deutschland mit Lebenslust und konspirativer Musik.

Doch entgegen den russischen Fahrern, die auch in der Nacht die Musik weiter dudeln lassen, wir hier auf klassische Oper im Flüsterton umgeschaltet, geradeso, dass es den Motor übertönt aber genau richtig, dass man gut einschläft.

Aufgewacht bin ich erst, als die Sonne über dem Mittelmeer aufging. Das Meer spiegelte auf der einen Seite und auf der anderen erstrecken sich felsige Hügel, bis sie im Hintergrund zu schneebedeckten Gipfeln übergehen. Auf einer neuen Autobahn erreichen wir Perpignan.

Ein Praktikant und die Hotelleiterin holen mich vom Bahnhof ab. Und der Rest ist auf Französisch.

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