Bei uns in Deutschland werden Leute, die Verbrechen des Dritten Reichs auch nur teilweise anzweifeln oder anders erzählen gleich für Holocaustleugner verschrien und dementsprechend angezeigt. Wir Deutschen haben mit dieser Zeit ein großes Problem. Viele fühlen sich noch schuldig, oder leben in einem Zwiespalt, ob sie ihre Vorfahren anklagen oder verteidigen. Spanien wurde von dieser Zeit weitgehend verschont, was sie mit dem Führerbier feiern.

Die spanische Grenze ist hier vom Centre nur 1 Stunde entfernt. Grund genug einmal eine Spritztour dorthin zu machen und zwar zum Einkaufen. In Spanien ist alles etwas billiger, was sich besonders bei den Mengen die ein Hotel verbraucht richtig lohnt: eimerweise Waschmittel und besonders Gemüse und Früchte. Fast an jeder Straßenbiegung steht jemand in seiner Bruchbude und verkauft des cerises (Kirschen), des pêches (Pfirsiche), des apricots (versteht wohl jeder), des fraises (Erdbeeren) et beaucoup d’autre chose.

 

06 Ein kleines Grenzstädtchen auf spanischer Seite.

Ein kleines Grenzstädtchen auf spanischer Seite.

An jeder fünften Straßenbiegung steht dann eine etwas größere Bude, die an einen Dönerladen erinnert, aber inhaltlich ein Gemüsegroßhandel ist. Dort kaufen auch wir ein. Ein super gut gelaunter Mann bedient uns, sammelt extra die vielen gammeligen Erdebeeren aus der Plastiktüte und sagt uns auf französisch den Preis.

Französisch können hier fast alle, denn Spanier kaufen hier im Grenzgebiet in den Straßenläden fast nie ein, nur Franzosen. Hier sieht man nur französische Autos auf Schnäppchenjagd, denn was für Franzosen ein Schnäppchen ist, ist für Spanier zu teuer.

Bevor wir uns mit Gemüse eindeckten, waren wir in einem Supermarkt um Waschmittel zu kaufen. Der Supermarkt war ein wahrhaftiger Einkaufstempel, umgeben von Matschplätzen und schlaglochgesprenkelte Straßen. Innen war der Laden, von der Produktverteilung her gesehen, in drei Teile geteilt: Ein Viertel waren Waschmittel, das andere Viertel war Dosenfutter und die Hälfte war Wein! Wein, soweit das Auge reicht. In dieser Abteilung hielten sich auch die meisten Leute auf. Für den Wein lässt man sich zeit, Waschmittel und Dosenfutter nimmt man noch rasch auf dem Weg zur Kasse mit, wie morgens die Jacke auf dem Weg zur Arbeit.

Ein Regal hat mich da auch besonders interessiert. Ich hatte bei Leibe noch nicht alle anderen Weine, Wodkas und Liköre gesehen, denn dass ist wie die Wilhelma in Stuttgart: Man kann nicht alles an einem Tag sehen. Das Regal, was ich mir also aussuchte, erinnerte an Heimat, denn es war Bier. Es war auch nur ein kleines Regal, denn Bier gibt es hier fast nicht, umsomehr verbindet man hier das Bier mit Deutschland. So wie wir den typischen Franzosen mit einer Baskenmütze, einem Baguette und einer Flasche Wein unter dem Arm kennen, so sehen die Franzosen und Spanier uns mit Lederhosen und einem Bier in der Hand.

 

06 Das „typisch deutsche“ Führerbier

Das „typisch deutsche“ Führerbier

Was ist also naheliegender, als wenn man hier Bier, das sowieso keiner trinkt, verkauft, dass auch typisches deutsches Bier ist. Nämlich das Führerbier! Dass kein Deutscher es wagen würde, solch ein Bier in Deutschland zu verkaufen, ahnt man hier wohl nicht.

Doch unser Einkauf ist fertig. Wir bahnen uns den Weg durch die vielen Billig-Ramsch-Verkäufer und haben eine wunderschöne Rückfahrt zum Centre de Formation durch die Schlingelstraßen der Pyrenäen.

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