Bois de Boulonge, 10 ° C, im westen von Paris. Lotta friert so, dass sie nicht mal mehr ihre Kippen halten kann! Wir haben soeben das Bonzenviertel von Paris verlassen, wo uns noch die bösen Blicke verfolgten, und verbringen nun einen Nacht ohne Dach. Ein unglaublicher Sozialabstieg… (unsere Wohnung kostete 2500 € Kaltmiete, die wir aber durch einen netten Deutsch-Franzosen, der ein Bekannter über x Ecken ist, kostenlos bekamen.) In Paris sind wir, um ein Film über die Stadt der Liebe zu drehen.

Dazu muss man wissen unsere Reise begann vor 4 Tagen mit einer Zugfahrt nach Stuttgart, wo wir vom SWR für unser Filmprojekt eine Kamera bekamen. Nachdem wir es verpeilt hatten, noch am selben Tag nach Straßburg zu kommen, schliefen wir direkt neben den Gleisen in einem Kaff bei Offenburg. Der folgende Tag fing noch erfolgloser an, als der erste aufgehört hatte, nachdem wir schon mitten in den Nacht nass geregnet wurden, schiffte es den darauffolgenden Tag fast durch. Nach 4 Std. an der Straße stehen, kamen wir Paris etwa 40 km näher. Diese fuhren wir aber wieder zurück, da es von der Abfahrt wo wir gestrandet waren, nur wieder nach Straßburg ging. Diesen Schritt zurück, wofür wir stunden im Regen standen, erlebten wir mit einem Afghanistankrieger, dessen Frau gerade ein Kinde bekommen hatte, und er uns aus Freude darüber die Fahrt mit dem TGV nach Paris gezahlt hätte. Es war inzwischen schon wieder 6 Uhr Abends, aber das Glück holte uns auf einmal ein.

Ein türkischer Autodealer nahm uns von Straßburg bis ganz nach Paris mit. So soll trampen immer sein. Er gab uns gleich noch ein Crashkurs in Parisianisch, der uns mehr Angst machte, als weiterhalf, trotzdem hatten wir bereits das erste Interview für unser Film über die sozialen Verhältnisse in Paris, im Kasten.

Schnell verstanden wir aus ausgetüftelte Pariser U-Bahn-System und erreichten so glücklich und todmüde unsere Unterkunft.

Leider konnten wir aber in dieser Wohnung nicht für immer bleiben und so machten wir uns auf die Suche, wo man kostenlos und einigermaßen ruhig schlafen kann. Eine große Grünfläche, gleich neben dem Viertel in dem wir gewohnt hatten, schien dafür gerade recht. Dass dies die Prostitutions-Adresse Nummer 1 war, erfuhren wir erst nachdem wir dort zwei Nächte verbracht hatten. Die morgendlichen Jogger und Hundehordenherrchen betrachteten uns nur sehr entwürdigend.

Nach diesen Nächten folgten anstrengende Drehtage. Bewaffnet mit einer Kamera, die mehr Wert war, als wir selber, kämpften wir uns durch all die Touristen und schlugen uns zu den zelebrierten Gebäuden von Paris durch! Dazu suchten wir spontan Pariser auf, wie Sicherheitsbeamte oder einfache Besucher die sich gut auskannten und interviewten sie über die besondere Stätte.

 

Die Kamera wird für den nächsten Tag  vorbereitet: Im Wald der Nutten: Bois de Boulogne.

Die Kamera wird für den nächsten Tag vorbereitet: Im Wald der Nutten: Bois de Boulogne.

Wo die nächsten Nächte bleiben werden, wird sich zeigen. Es wird eine Nacht bei Sprayern aus Belleville sein, deren Wohnung selbst für sie schon zu klein ist. Es wird auf jeden Fall ein schöner Film über alle wichtigen Orte in Paris werden. Ein Film, durch den man Paris zugleich lieben und hassen lernt.

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