Seit 2008 bietet das Bundesministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) Jugendlichen zwischen 18 und 28 Jahren die Möglichkeit sich für 12 Monate in einem Entwicklungs- oder Schwellenland sozial zu engagieren. Die einmalige Chance für finanziell schwächere Freiwillige die Welt zu sehen, denn im Gegensatz zum bekannten FSJ (Freiwilliges soziales Jahr) werden 75 % der Kosten vom BMZ übernommen. Doch darüber hinaus werden die freiwilligen Helfer durch ein Bewerbungsverfahren ausgewählt und in drei Seminaren beim Dienst begleitet und unterstützt. Das 10-Tägige Vorbereitungsseminar habe ich gerade hinter mir.

Dauerhafte Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern zu ermöglichen ist der politische Antrieb, weshalb Weltwärts ins Leben gerufen wurde. Da es sich an die Jugend richtet, ist es eher ein Bildungsprogramm als ein Entwicklungsprogramm. Doch ein Grund, weshalb es dennoch aus dem Entwicklungsetat finanziert wird, könnte sein, dass im Gründungsjahr 2008 Deutschland im internationalen Report über Entwicklungshilfe eher schlecht abschnitt. Hoffen wir, dass dieser Dienst noch lange besteht, auch wenn Dirk Niebel (FTP, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) das Entwicklungsministerium schließen wollte, bevor er zu dessen Minister ernannt wurde!

Begleitet und unterstütz werden die Freiwilligen vor, während und nach ihrem Dienst von der Trägerorganisation (bei mir die „Freunde der Erziehungskunst“). Neben dem Vorbereitungsseminar, das die letzten 10 Tage in Hessen stattfand, gibt es während des Dienstes ein 5-tägiges Zwischenseminar im Land der Einrichtung (in meinem Fall Brasilien) und das Nachbereitungsseminar nach der Rückkehr. Um die  im Entwicklungsland gewonnene Erfahrung  weiter zu geben, gibt es nach dem Dienst verschiedene Möglichkeiten, sich im Freiwilligenkolleg weiterhin der Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern zu widmen. Einerseits als beratendes Gremium für Entwicklungshilfeorganisationen oder als Leiter der Seminare für ausreisende Freiwillige.

„Weltwärts“ soll von ehemaligen Freiwilligen für Freiwillige gemacht werden. Das war auch das Erfolgsrezept für das vergangene Vorbereitungsseminar in Helmarshausen bei Kassel, zu dem 60 freiwillige Weltwärtsreisende eingeladen waren. In einer Jugendherberge komfortabel untergebracht, wurden ganze 10 Tage lang Themen des entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes angesprochen! Für die Hauptbeiträge wurden entsprechende Referenten eingeladen. Es wurden die „Freunde der Erziehungskunst“ vorgestellt und ein kleiner Einblick in die Waldorfpädagogik gegeben. In Gesprächen über die eigenen Grenzen, kulturelle Unterschiede und die Bewältigung von Konflikten wurden wir psychisch auf die verschiedenen Phasen des Dienstes vorbereitet. Auch medizinisch und verwaltungsmäßig wurden wir aufgeklärt, um in Krisensituationen das Richtige zu tun.

Eine vollgestopfte Woche, bei der, bis auf einen freien Nachmittag, selbst die Sonntage mit Vorträgen und Gesprächen belegt waren. Dennoch war es schön und wir hätten noch tagelang weiterdiskutieren können, wenn nicht die Ausreise so kurz bevorstünde.

Vor den Vorträgen haben wir oft Kinderspiele oder länderspezifische Tänze und Lieder gelernt, die uns einerseits wieder aufnahmefähig machten, andererseits aber auch in der pädagogischen Arbeit mit Kindern hilfreich sein könnten. Nach den Vorträgen versammelten sich dann die Freiwilligen entsprechend ihrem Zielland in Länderregionalgruppen. Ich war natürlich bei Brasilien. Darin wurde oft bis spät abends über Brasilien geredet, portugiesisch gelernt oder kleine Quizfragen und Spiele zum Thema Brasilien gespielt.

Zusammen gefasst war das Seminar interessant. Auch wenn es inhaltlich durch die knappe Zeit keine Entwicklungshelfer aus uns machen konnte, hat es doch eine gewisse Sicherheit für die Ausreise vermittelt. Viel mehr darüber zu sagen gibt es nicht, doch jeder, der einen solchen Dienst macht, kann sich auf dieses Seminar freuen, auf die Organisatoren und auf die vielen Ehemaligen und deren Erzählungen. Zum Abschluss haben ein Freiwilliger (Valentin) und ich in einem Lied das Seminar und unsere Gefühle über den Dienst, auf teilweise ironische Weise, zusammengefasst. Viel Spaß beim Anhören oder lesen des Textes.

Song des weltwärts Vorbereitungsseminars

Inhaltlich ist er leider hauptsächlich für Teilnehmer des Seminars, da man sonst nicht jeden „Wink mit dem Zaunpfahl“ verstehen kann, doch wünsche ich auch allen anderen viel Spaß.

Achtung, Musik ist etwas zu laut, wenn es leiser ist, ist die Qualität auch besser.

Aus technischen Gründen fehlt leider ein kleines Stück des Mittelteils.

1. Strophe „Hallejuja“:

I heard there was a secret chord

Refr. Hallejuja…

Wir kamen einst voll Hoffnung hin    ins schöne Land Brasilien
Wir dachten erst wir könnten was bewegen.
Doch ab dem Monat forth or fith wir merkten schon, es wird wohl nichts
und jedes mal auf’s neue Überfallen

Refr. Hallejuja…
We never had been here before    wir suchten Freunde und ein offenes Ohr
wir fühlten uns oft müde, krank und einsam.
So gingen wir auf die Straße raus,   um das Leben zu leben in Saus und Braus
Unsere Leben cold broken Hallejuja

Refr. Hallejuja…

Ansage: Deutschland – Frühjahr 2010

Lied: Sattelite (Lena Meyer-Landruth)

I’ll go everywhere for you     I even Risk my life for you
I bought my flight when I was blue     I’m going there,      after today

Freunde ihr wisst, I fight for you   Ich setz mich ein wo’s geht for you
Auf mich ist echt verlass, seid froh    und auch die Einrichtung – sowieso.

Welt oh Welt, fremde Menschen, Kulturen erwarten mich
weil ich oh ich denk nicht alles dreht sich nur um sich.

Like a satelite tauch ich ein in einen fremden Großstadtdunst
And I would fall out into the night ohne die Freunde der Erziehungskunst

Das Abi komm, noch Tests verbleiben   Da sollt man bald Bewerbung schreiben
Voller Ungeduld fiebern wir drauf zu   auf das Ori-Seminar in Karlsruh

Martina unsre starke Frau   Ihr E-Mails machen uns’re Mägen flau
Verträge, die ich in den Ofen Schip  checkt alleinig sie: unsre Bipp

Welt oh Welt, …

ich ruf an, wer geht dran,     Die Frau, die ihr Geheimnis hüten kann
Its Physics    in nine month escape

|:Welt oh Welt….:|

Schöne Neue Welt (Culcha Canela)

Warum soweit weg     gleich für ein ganzes Jahr
Die Welt verändern geht ja eh nicht   Deutschland ist doch wunderbar
Rechtsstaat, Bildung, Ordnung, pünktlich sein uns Sauberkeit
Und außerdem ham wir hier kein Problem mit unsrer Sicherheit
Wir ham doch eh kein Plan was wir mal werden solln
Also schlagen wir die Zeit tot, fürn Wisch den Firmen wolln
Alle sind hammer drauf vor Freude auf das ganze Jahr
Samba in Brasilien, Chicas – Fraun am Strand von Afika
Und fliegt der Flieger in die Luft, hej Drogen, Alc und Windhuck, stehen für Party in Namibia

Weltwärts wir komm, weltwärts wir komm
aus unsrer heilen Waldorf-Welt
Fremde Kulturen sind scheißegal
wir ändern was uns nicht gefällt.

Es geht schon los auf unsrem Vorbereitungsseminar
Im Internationalen Vorort Helmarshausen wundebar
Anil und Lisa ham sich endlich kenngelernt
Bis auch Anils Freundin dummerweise von dem Scheiß erfährt
Es wird gemunkelt von Heinaldos großer Pünklichkeit
Bis zum jenem Fakt hier sein die besten Teamer weit und breit
nicht zu vergessen beim Grilln, dass unser Würst case funst
Willkommen hier bei René und den Freunden der Beziehungskunst

Weltwärts wir komm …

Zum Weltwärts gehen werden wir von den Freunden ausgenutzt,
anthprosophisch missioniert, zum Spendensammeln ausgelutscht,
mit Händen essen nie erlaubt Besteck, das überfloss
dubiose Reisen auf die Touri-Insel Albatross
mit unsern Sitten bewegen wir uns dort auf schmalem Grad
Frauen ham dort Oberhand, genau wie hier im deutschen Staat [hm…]
Exotisch essen von Asien bis Afrika
leider war auf unsrer Seite nie ein Herz für Teamer da.

Weltwärts wir komm …

Radio, Wise Guys

Die Eltern werden fragen, was wollt ihr eigentlich?
Alle andern werden sagen: hör mal seid ihr noch ganz dicht.
weil das hier kein Kinofilm ist, könn wir wirklich etwas sehen
und dann nach unsrer Rückkehr werden selbst Skeptiker verstehen.
Weltwärts gehen und tortzdem froh    ich glaub es gilt für alle so
wir kümmern uns um alles was uns noch im Wege steht
das Visum ham wir schnell geblickt    das Flugticket ist zugeschickt
wir packen unsern Rucksack und den Kopf voller Ideen.

Schau die Welt einfach an     sperr die Ohren weit auf
fahre durch den Sturm und Regen         einer andern Welt entgegen
Die Welt ist nicht so groß    wir wachsen stetig zusamm
schau auch andern ins Gesicht    bring auch hierher neues Licht

Am Anfang ham wir noch gelacht
doch ohne WUP und Secret Friend
Papaya Ankunft und schon Nacht
ist unser Honeymoon gehemmt
Wir lernen Menschen kennen, Kinder und ein Land
Der Frieden kommt und alle geben sich die Hand

schau die Welt einfach an     sperr die Ohren weit auf
fahre durch den Sturm und Regen         einer andern Welt entgegen
Die Welt ist nicht so groß    wir wachsen stetig zusamm
Aus Asche, Wellen, Wogen, Gischt schafft ein Phönix neues Licht

Wir werden gehen, (wir werden gehen)
wir wern die Welt aus andern Augen sehen    (Wir werden gehen)

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