Draußen hat es ungemütliche – 40° C. Wir haben soeben Portugal überflogen und befinden uns 10 km über dem Atlantik. 2 Stunden sitze ich schon hier, doch trotz der über 900 km/h braucht es nochmal 8 Std. für die kommenden 7765 km von der Iberischen Halbinsel bis nach Sao Paulo.

Gerade sind die Stewardessen dabei, den ganzen Müll wieder einzusammeln, den sie mit Pinzetten und einem Lächeln, das überzeugender war, als das Essen selbst, ausgeteilt haben. Es gab ein Salat mit Meeresfrüchten, die ich dank ihres neutralen Geschmacks, auch runter bekommen habe. Darauf folgte ein heißes Aluminiumpack mit Reis und Geflügel und  zum Nachtisch ein undefinierbaren Kuchen. War irgendwie grün.

Es scheint als halten hier Müll und essbarer Inhalt gewichtsmäßig die Waage wobei volumenmäßig die Verpackung definitiv überwiegt. Als Praktikant in einer solchen Küche, ist man wohl den ganzen Tag mit einpacken beschäftigt.

Die ganzen Sicherheitsaufklärungen, wie ich den Anschnallgurt schließe, die Schwimmweste anlege und die unübersehbaren Notausgänge finde, kenne ich inzwischen besser als den Morgenspruch von 12 Jahren Waldorfschulzeit. Die Frage, wer zuerst war: Rudolf Steiners wiederkehrendes Morgenritual oder die immer gleiche Sicherheitsberieselung der Fluggäste, könnte in einer endlosen Debatte ausarten, feststeht, beides wird auf dauer eintönig!


Wenn wenigstens jeder Steward so rappen koennte, wuerden Fluege in Rockkonzerte ausarten.

Lustiger Weise habe bin ich in der Abflughalle, unter den 320 Passagieren auf ca. 10 andere weltwärts-Freiwillige gestoßen, die über die Organisation ICEPIA auch nach Brasilien kommen. Sie waren unschwer an ihrer lockeren Art, den Rastas und der guten Laune, von den anderen Fluggästen zu unterscheiden.

Heute ist Freitag der 13. August. Für Abergläubische nicht gerade ein guter Tag für 11 Flugstunden übers Meer, doch für mich ein ganz besonderer und da ich nicht abergläubisch bin, sehe ich auch dem kommenden Jahr durchaus zuversichtlich entgegen. Noch ein kleiner Abschied von meinen Eltern und ab ging es von Stuttgart über Frankfurt nach Brasilien. Eric, mein Nebensitzer in der extrem engen Economyclass, ist Brasilianer, doch mit seinem perfekten Englisch hat er mir bereits eine geniale Reiseroute durch Südamerika entworfen.

Fliegen ist schön! Das Gefühl frei zu sein. Ein schönes Leben hinter sich zu lassen, und aufzubrechen, um neue Menschen kennenzulernen. Genau 23:18 Uhr, über Frankreich stelle ich die Uhr 5 Stunden zurück auf 6:18. Der Schritt in eine neue Zeit.

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