Der Tag in Manaus fing ruhig und gemütlich an und sollte groß enden, denn wenn die zwei Japaner ankommen würden, könnten wir aufbrechen nach São Gabriel de Cachoeira. Doch wird es überhaupt so weit kommen? Ein Tag mit Dominospielen, durch Manaus kurven, im Rio Negro baden und einem, etwas ernüchterndem, Abend. 

Diashow zu den Weihnachtstagen in Manaus.

In Manaus gibt es eine Zeitumstellung von +2 Stunden. Das half uns dabei, morgens um 6 Uhr aufstehen. Zugegeben, in der tropischen Großstadt gabt es auch nicht die Versuchung noch etwas im „warmen Bettchen“ zu dösen. Erstens, weil wir meistens in Hängematten schliefen und zweitens, weil es schön ist, morgens noch etwas frische Luft zu atmen, bevor es wieder richtig heiß wird.

Schon sehr früh morgens stehen die Kinder auf und spielen in der grünen Favela.

Schon sehr früh morgens stehen die Kinder auf und spielen in der grünen Favela.

Zum Frühstück gab es jeden Tag luftige Weißmehlbrötchen mit Butter. Schon am Essen wurde mir mehr und mehr klar, dass diese Familien, bei denen wir wohnten, recht arm waren. Käse, Marmelade und Nutella oder Ähnliches gab es dort nie. Es sei denn, wir Gäste kauften es ein.

Wir gingen über ein Bächlein zu der Nachbarhütte. Dort waren es die recht jungen aussehenden Großeltern, bei denen die Kinder und Enkel wohnten. Der Opa war ende 70, hat sein Leben lang im Urwald schwer gearbeitet und sah immer noch aus wie 50. Ruhig und zufrieden erzählte er in seinem Schaukelstuhl aus seinem Leben und beim Steinchenlegen profilierte er sich als Mathegenie. In den 2 Zimmern gab es statt Betten gemütliche Hängematten, welche tagsüber aufgerollt an der Wand hingen.

Die zufriedenen Nachbarn, die uns Dominospielen beigebracht haben.

Die zufriedenen Nachbarn, die uns Dominospielen beigebracht haben.

Auf dem Weg zum Flughafen fuhren wir vorher kurz zum Rio Negro. Während sich Chiara noch umzog, hüpfte Bu’ú einfach mit seiner kurzen Hose rein. Mit Kleidern zu baden war der erste Schreck, doch bald schon ganz normal. Schreck zwei, als ich mit meiner Zehenspitze feststellte, dass der Riesenfluss pupswarm ist. Ich fühlte mich kurz wie im warmen Babybecken eines Hallenbades. Und der dritte Schreck lässt nicht lange auf sich warten, als Bu’ú das Wasser einfach trinkt. „Alles kommt aus der Natur“, sagte er beruhigend. Ob das wohl immer noch so ist? Schließlich fahren dort inzwischen Motorboote, die ihre Toiletten- und Bioabfälle einfach in den Fluss leiten und weiter oben ist ein Schiff gerade dabei, den Strand von Müll zu säubern. Ich trank auch ein paar Schlücke. Gelb ist das Wasser ja nur, weil es lange durch den warmen Urwald fließt.

Der Badespaß im warmen Rio Negro.

Der Badespaß im warmen Rio Negro.

Triefnass streifte ich mir mein T-Shirt über, hängte die Bauchtasche mit der Kamera um und ab zum Bus. Für mich als Europäer war es etwas ungewohnt, unabgetrocknet gleich wieder loszulaufen, doch durch die Wärme kamen die nassen Klamotten als Erfrischung geradewegs willkommen. Es war gerade Winter, auch wenn man hier besser zwischen Regen- und Trockenzeit unterscheidet als zwischen Winter und Sommer. Die Regenzeit hatte gerade begonnen und der Rio Negro war daher von der Trockenzeit noch sehr niedrig. In der Regenzeit schwanken Temperaturen zwischen 20° C und 32° C, während sie in der Trockenzeit auf bis zu 45° C klettern. Ich war also froh, dass Regenzeit war. Lange Hosen und Pullis hat hier keiner, allerhöchstens gegen die Mücken oder wenn der Wind auf dem Booten pfeift.

Zum Mittagessen in der Stadt aßen wir ein paar selbst gemachte Chips, die es an den kleinen Wägelchen überall in der Stadt zu kaufen gab und abends ging es schon zum „Porto Raimundo“, „Helmuts Hafen“ zu Deutsch.

Die Öllampe wärmt die leckeren und salzigen Popcorns und Chips.

Die Öllampe wärmt die leckeren und salzigen Popcorns und Chips.

Vom Porto Raimundo fahren alle Boot Richtung São Gabriel flussaufwärts. Da der Fluss aber, durch die Trockenzeit, recht niedrig war, fuhr an diesem Freitag nur ein Boot, welches nicht nur 100 Reais (50 Euro) mehr kostete, als normalerweise sondern schon komplett ausgebucht war. 300 Reais für die 6-Tägige Fahrt nach São Gabriel ist fast ein Wucherpreis, doch die Bootsbetreiber haben auf dieser Strecke, genauso wie die Deutsche Bahn, weder Konkurrenz noch ein Kartellamt zu fürchten. Flussabwärts Richtung Belem gibt es viel mehr Bootsunternehmen und mehr Touristen, wodurch es einiges billiger ist.

Die schönen Dockhütten am Porto São Raimundo. Dazu zwei Boote im Hafen, die sonst nach São Gabriel fahren.

Die schönen Dockhütten am Porto São Raimundo. Dazu zwei Boote im Hafen, die sonst nach São Gabriel fahren.


Karte von Manaus (ganz rechts unten) bis São Gabriel (ganz links oben).

Das nächste Boot fuhr am 30. Dez. erst in einer Woche! Was sollten wir so lange in Manaus? Zunächst fuhren wir zurück ins Zentrum und haben an einem der vielen Stände eine Hängematte für 15 Reais aus Nylon und eine größere aus Baumwolle für 20 Reais gekauft. Gemütliche, große und billige Hängematten gibt es hier so viel, dass man beim Anblick schon fast einschläft.

Bei so vielen Hängematten wissen selbst Japaner nicht mehr, welche man nehmen soll.

Bei so vielen Hängematten wissen selbst Japaner nicht mehr, welche man nehmen soll.

Der Recyclingweihnachtsbaum. Aus Heineken-Bierflaschen und Plastikflaschen.

Der Recyclingweihnachtsbaum. Aus Heineken-Bierflaschen und Plastikflaschen.

Es ist Freitag der 24. Dezember: heilig Abend!

Im Stadtzentrum war eine riesen Feier angekündigt, auch wenn Weinachten bei all den Indianern eher etwas Exotisches ist. Wer andächtige Weihnachten wünschen würde, würde nur verständnislose Blicke ernten.  Den ganzen Tag schon wurde „Feliz Natal“ in Schwung und Tonfall gewünscht, ähnlich dem Ausruf „Gutes Neues“ zu Neujahr. Als wir vom Flughafen um Mitternacht zurückliefen, wurden in der ganzen Stadt Feuerwerke gezündet. Den einstündigen Fußmarsch vom Flughafen nach Hause legten wir in Flipflops zurück (weil ab 22 Uhr schon keine Busse mehr fahren). Immerhin ging es vorbei an einem schönen Weihnachtsbaum aus grünen Plastik- und Bierflaschen. Auf dem Weg durch die Straßen war alles geschlossen dafür standen in den Privathäusern reich gedeckte Tische, die jetzt um Mitternacht, beim Krach der Feuerwerke, geplündert wurden. Für Christen ist es natürlich das größte Fest im Jahr. Wir setzten uns mit Bu’ú in eine Kneipe und stießen auf Weihnachten an. Für Indianer ist es einfach ein Anlass, noch mehr Alkohol zu trinken als sonst.


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