Eigentlich wären wir ja schon auf dem Boot in Urwald, doch weil das ja gestern nicht geklappt hat, verbringen wir die Zeit im „weihnachtlichen Manaus“. Fetziger erster Weihnachtsfeiertag mit Stilvollem Ausklang am Rio Negro.

Bu’ú steht bereist vor 6 Uhr auf, für ein Radiointerview im regionalen Rundfunk über die Situation der Ureinwohner. Wir kennen die Fernsehwerbung mit ihm, verschiedene Dokumentar- und Informationsfilme mit ihm und oft liest er einen ganzen Tag Berichte, Untersuchungen und Gesetzte, um für die Rechte der Indigenen zu kämpfen. Mehr und mehr wird uns klar, wie wichtig dem sonst so unorganisierten Indio, die Vertretung der Rechte der Ureinwohner Brasiliens sind.

Die Zwischenzeit vertreiben wir uns mit Spaziergängen, in den überfüllten Internetcafés, beim brasilianischen Fernsehschauen, wo hauptsächlich Tanz- und Socialshows kommen, beim Wäschewaschen oder beim Spielen mit den Kindern. Da wir es immer noch nicht in den Urwald geschafft haben, dort, wo ich unbedingt hin will, haben wir viel Freizeit. Manche sagen Langeweile.

Halb 11 geht es zum Flughafen, wo wir Newton abholen – das Team ist nun endgültig komplett – und ab geht’s es auf eine Indianerfesta in den armen Dockwohnungen am Flussufer.

Die armen Dockwohnungen am Flussufer

Die armen Dockwohnungen am Flussufer

Das Haus ist ordentlich, die Bewohner indianischer Abstammung, im vollen westlichen Leben mit Playstation, Unterhaltungselektronik und modischer Kleidung. Bei der richtigen Musik tanzen die Angetrunkenen heftig und holzig. Grazie und Schwung erkenne ich nur an Bu’ú, der gute 2 Jahre Ballett studiert hat, und selbst stockbesoffen noch besser und ausdauernder tanzt als alle anderen. Bei den anderen fehlt auf den kurzen Beinen der Schwung, der durch Kraft und Schnelligkeit ausgeglichen wird. Es scheint eine etwas stumpfe Gesellschaft, dennoch erstaunlich, wie viel sie tanzen.

Plötzlich packt Newton die künstlerische Lust und er zieht ein knappes duzend Jonglierbälle aus dem Rucksack und beginnt erst mit zwei, drei und schlussendlich vier Bällen. Plötzlich wird hier alles interessant. Zunächst schauen sie zu, bis letztendlich alle mit leichten Werf-, Gleichgewichts- und Konzentrationsübungen mitmachen. Es ist erstaunlich, was ein paar Bälle auf so einer bierreichen und geistlosen Weihnachtsfeier ausrichten können. Es endet damit das die halb angetrunkenen Pyramiden bauen und Zirkus machen.

Als es schon etwas später ist, gehe ich mit Chiara etwas durch die dunkle Vorortgegend, bis uns plötzlich der Blick über den nächtlichen Rio Negro auftut. Ein Augenblick zum Genießen. Der warme Wind weht uns entgegen, ruhig, und sternenklar. Ich spüre die majestätische Gewalt des Flusses, der von Kolumbien bis hierhin die Kraft von endlosem, teils unberührtem Regenwald mitbringt.

Der Rio Negro bei Sonnenaufgang

Der Rio Negro bei Sonnenaufgang

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