Alle werden mit einem wohlduftenden Rauch einer Wurzel umhüllt, gegen böse Geister.Santa Maria ist ein ruhiges Dorf ohne Termine, Kapitalismus und Perspektiven. Die indianische Kultur ist erfolgreich verschwunden und bis auf den Präsidenten, der etwas kindisch jeden seiner Witze wiederholt, bis auch dem Letzten das Lachen vergangen ist, sind hier alle nach unserem Begriffen arbeitslos. Angeln, Kochen, Haus und Boote reparieren scheinen alles Hobbys zu sein. Doch die Gesellschaft ist nett und nach dem die anfänglich touristische Profithaltung gewichen ist, leben wir hier wirklich familiär und gut aufgehoben.

Diashow über Dörfer und das Leben am Rio Negro

Diashow über Dörfer und das Leben am Rio Negro

Diashow über Dörfer und das Leben am Rio Negro

Siehe den Blog dieses Turistenzentrums! http://buuetnoturismo.blogspot.de/ Wer eine Reise dorthin wagen möchte, kann mich gerne ganz unverbindlich kontaktieren.

Mit der Sonne werde ich wach. Noch während des Frühstückes zündet Bu’ús Vater eine Wurzel an, die er „Breo“ nennt, und hüllt den Tisch und Wald in einen angenehmen Duft. Daraufhin wird jeder einzeln in den Rauch getunkt und Bu’ú malt zusätzlich mit einem Pulver rote Striche auf die Brust. Wir bereiten uns auf einen Urwaldtrip vor. All diese Rituale soll uns vor Schlangen, Gefahren und bösen Geistern beschützen.

Alle werden mit einem wohlduftenden Rauch einer Wurzel umhüllt, gegen böse Geister.

Alle werden mit einem wohlduftenden Rauch einer Wurzel umhüllt, gegen böse Geister.

Auf dem Weg durch den Wald kommen wir an vielen „Roças“ vorbei, den brandgerodeten, kleinen Feldern, auf denen die Siedler ihre Mandioka, Bananen und sonstige Früchte anbauen. Viele leckere Beeren, Früchte und Obst finden wir auch einfach am Wegesrand, nachdem uns die wachen Blicke der Einheimischen darauf aufmerksam gemacht haben.

Ich mache einen kurzen Abstecher in den Wald um Saft abzulassen. Vorsorglich habe ich die Machete dabei, die ich dicht neben mir in den Boden stecke. Das Urinieren verläuft problemlos doch beim Zurücklaufen stütze ich mich achtlos an einen morschen Stamm und diesmal kommen nicht wie sonst, ein Eimer voll Ameisen raus, sondern genauso viele Wespen fliegen mir ins Gesicht. Mit der nutzlosen Machete in der Hand bleibt mir keine Chance, also nutze ich sie und ergreife die Flucht! Doch die Wespen fliegen schneller als ich mich durch den dichten Urwald retten kann. Total zerstochen komme ich draußen an. Tja, da ich nun einmal allergisch darauf reagiere, mache ich mir, neben den Schmerzen, ernsthaft Sorgen, doch der Urwald ist dann doch nicht so extrem und nach paar Stunden, juckt es nur noch.

Nach knappen 15 Minuten kommen wir an eine Fläche, wo das Laub zur Seite gescharrt wurde. Löcher im Boden sind bereit, um das Grundgerüst einer traditionellen hölzernen „Maloca“, erbaut aus Zwangsspenden umweltschädlichen Unternehmen, zu halten. Eine solche „Maloca“ ist ein traditionelles Festbauwerk der Indianer, in denen sie wohnten aber auch ihre Rituale abhielten: Tänze tanzten, Lieder sangen, Geschichten hörten und mit dem Zaubergetränk Ayasska in die geistige Welt reisten.

Die Traditionelle „Maloca“ von Bu’ús Familie. Ein Bauwerk dieser Art soll in Santa Maria für Touristen auch entstehen.

Die Traditionelle „Maloca“ von Bu’ús Familie. Ein Bauwerk dieser Art soll in Santa Maria für Touristen auch entstehen.

Bu’ús erfahrene Familie wurden vom Präsidenten von Santa Maria gerufen, um die Stadt tourismusfähig zu machen, für die Sportereignisse in Brasilien 2012 und 2014 (Olympische Spiele und Fußball-WM). Ich begrüße diese Bauprojekte für Touristen in Santa Maria ebenfalls, weil es die Wildnisturisten von den entfernten und traditionelleren Aldeias fernhält, wodurch dort das traditionelle Leben fortgeführt wird. Später in Manaus habe ich für Santa Maria noch eine Website erstellt: http://malocayepa.wordpress.com/.

An diesem Ort, wo das neue „Geisteshaus“ entstehen soll, beginnen wir mit einem traditionellen Tanz zur Einweihung der Baustätte, den uns Bu’ú beibringt. Wir werden bemalt und mit Federn geschmückt. Am Anfang müssen die Japaner noch lachen, als sie Bu’ú sehen, wie er würdevoll mit Farn geschmückt aus dem Wald kommt, doch das vergeht ihnen schnell, als wir alle mittanzen.

Wir alle dürfen mittanzen und Bu’ú fühlt sich sichtlich wohl, während er diesen Ort rituell auf den Bau vorbereitet.

Wir alle dürfen mittanzen und Bu’ú fühlt sich sichtlich wohl, während er diesen Ort rituell auf den Bau vorbereitet.

Am Nachmittag überqueren wir einen Seitenarm mit dem Boot und besuchen das schöne Nachbardorf „Terra Preta“ – „Schwarze Erde“ mit 35 Familien. Vom Hafen geht eine lange, steile Treppe hoch ins Dorf. In Santa Maria wird sie als „Treppe zum Himmel bezeichnet“, weil es hier ausnahmsweise viele Frauen unter 80 Jahren gibt. Unter einem Palmendach wird verkauft, was es als Einziges zum Verkaufen gibt: Schmuck. Da auf den Aldeias kein Holz gefällt werden darf und Fisch nur für den Eigengebrauch zu fangen ist, ist die einzige Einnahmequelle der Verkauf von „Artesanatos“. Es sind wunderschöne Ketten, Ohrringen mit Federn, glitzernd in allen Farben aus Knochen, Zähne und Samen, aus allem was sie am Strand und im Wald finden können. Doch trotzdem es hier vor Ort gemacht wird, stellen wir später fest, dass sie in Manaus viel billiger – und in São Paulo noch viel viel billiger – zu kaufen gibt.

Halsketten aus Açai, Semente und sonstigem Schmuck aus Terra Preta.

Halsketten aus Açai, Semente und sonstigem Schmuck aus Terra Preta.

Nach der Schmuckbesichtigung spielen wir mit den Dorfkindern Fußball auf dem grünen Sportplatz im Dorfzentrum. Bis Kenta, unser Japaner, ein paar Notizzettel auspackt und Papierfaltarbeiten macht, woran die Kinder, die sonst nur ihr Dorf haben, sichtlich Spaß haben.

Wir falten mit den Dorfkindern kleine Papiervögel, was ihnen sichtlich Spaß macht, auch wenn sie mit den Vögeln nichts anzufangen wissen und sie, sobald sie fertig sind, gleich zerknüllen. Auch der Rettungsversuche, dass sich doch die Mutter darüber freuen würde, hilft nicht.

Wir falten mit den Dorfkindern kleine Papiervögel, was ihnen sichtlich Spaß macht, auch wenn sie mit den Vögeln nichts anzufangen wissen und sie, sobald sie fertig sind, gleich zerknüllen. Auch der Rettungsversuche, dass sich doch die Mutter darüber freuen würde, hilft nicht.

Zum Abschluss sprechen wir auch hier mit dem Präsidenten. Es ist interessant, wie gerne uns die Leute Auskunft geben, obgleich wir gar nicht wirklich helfen können. Die größten Sorgen sind wohl Gesundheitliche, oft die Angst vor Malaria. Abschließend werde ich für den nächsten Morgen zum Angeln mit Pfeil und Bogen eingeladen.

Als ich früh morgens mit einem alten Kanu angepaddelt komme, ist das Dorf gerade am aufstehen und ich darf mit drei Fischern mit. Wir nehmen mein altes Kanu, mit dem ich gekommen bin, da deren Boote noch tiefer (unter) wasser liegen, als mein Geliehenes. Ihren Zweitakter befestigen wir an meinem Boot und während das ganze Boot vibriert und über die Ränder das Wasser reinschwappt, so dass Chiara, die ebenfalls dabei ist, durchgehend Wasser schippen muss.

Eigentlich sind ja alle Boote etwas leck und für 4 Personen sowieso zu klein, doch zum Glück ist der Rio Negro hier nicht so breit. Wir haben Angelhaken, Schnur und ein kaputtes Angelnetz.

Eigentlich sind ja alle Boote etwas leck und für 4 Personen sowieso zu klein, doch zum Glück ist der Rio Negro hier nicht so breit. Wir haben Angelhaken, Schnur und ein kaputtes Angelnetz.

Nur in der Trockenzeit ist das bewaldete Sumpfgebiet im Rio Negro, dass wir mit knapper Not erreichen, als Insel zu bezeichnen, denn sonst ist der Wald mit Wasser überflutet. In dem gefluteten Unterholz leben dann ganz spezielle Fischarten. In der Mitte der Insel ist ein See, ein wahres Paradies für Auge und Angel. Umgeben von stillem Wald ziehen die Fischer hier richtig große Fische aus dem ruhigen Wasser.

Unser erfolgreicher Fischer auf einem Inselsee im Rio Negro, beim morgendlichen Angeln.

Unser erfolgreicher Fischer auf einem Inselsee im Rio Negro, beim morgendlichen Angeln.

Die Fischer sind nicht überglücklich mit dem Fang, es hat einstmals mehr gegeben, doch es reicht gerade so für die Familie und so kehren wir mit leeren Händen in unser Dorf zurück.

Nachmittags räume ich erstmal mein Zeug auf. Viel hatte ich zwar in der Eile des Aufbruchs nicht mitnehmen können, dennoch habe ich zu viel dabei. Für den Urwald bräuchte ich wirklich nur 2 T-Shirts am besten aus Trikotstoff, weil dieser schneller trocknet. Eine Boxershorts und eine Zipphose, die man bei Mückenalarm zur langen Hose machen kann. Dazu eine Badehose, denn während die eine Garnitur vom Baden und Waschen trocknet, kann man in der anderen noch trocken schlafen. Bu’ú hat nur eine Garnitur dabei. Das geht auch, wenn man darauf achtet, vor dem Schlafengehen seine Kleidung nicht nass zu machen. Wer wirklich zur Kälte neigt, kann auch noch einen Pulli mitnehmen, der besonders auf den windigen Bootsfahrten gebraucht wird. Als Schuhwerk reichen leichte Turnschuhe voll aus, je schneller sie trocknen, desto besser. Also nicht zu viel Schaumstoff. Wäsche kann gerne alt sein. Blaue und rote Farben tarnen die vielen Frucht- und Stockflecken.

Pennen unterm Moskitonetz in meiner Hängematte aus Nylon im Urwald.

Pennen unterm Moskitonetz in meiner Hängematte aus Nylon im Urwald.

Um in der Hängematte zu schlafen, hilft eine dünne Zudecke besonders gegen Mücken, doch ein Moskitonetz macht natürlich noch besser Dienste, auch wenn dann kein Wind mehr weht und es in der Hängematte recht warm werden kann. Tagsüber ist da Mückenspray Autan“ ganz oben auf der Bestsellerliste. Täglich wäscht sich jeder einmal im gelben Rio Negro, wobei man sich dabei, gegen alle kleine Viecher, komplett einseifen sollte. Urwaldmesser, Kochtopf und Kamera sind natürlich bei Expeditionen verdammt genial. Angelhaken, Taschenmesser und gegebenenfalls, wer das für wichtig hält, ein Erste-Hilfe-Päcken, runden die Ausrüstung ab.

Abends ist es noch etwas ungewohnt in der Hängematte zu schlafen, besonders weil ich noch keine Zudecke habe, doch wenn ich mich etwas quer lege, ist es richtig gemütlich. Die dreckigen Füße vom Barfußlaufen lasse ich raushängen.

Abendliche Fischer auf dem Rio Negro.

Abendliche Fischer auf dem Rio Negro.

Advertisements