Die Ferien im Amazonas waren erholsam, aufschlussreich und durchaus schön. Auch andere Reisen haben mein Bild der brasilianischen Kultur inzwischen sehr bereichert. Schon zwei Monate bin ich zurück in der zweiten Halbzeit hier in Monte Azul und das Meiste bleibt beim Alten. Dennoch ändern sich Kleinigkeiten in meinem Aufgabenbereich: Neue Celloschüler kommen, ein Photokurs entsteht und die Teilnahme an den Konferenzen meiner Tias wird möglich. Denn die größte Veränderung, im Vergleich zum ersten Zwischenbericht, liegt in der Sprache. Erst jetzt habe ich das Gefühl, überhaupt tun zu können, wofür ich hergekommen bin.

30 Bilder über mein Brasilien nach 6 Monaten.

Mein Portugiesisch, auch wenn es noch lange nicht perfekt ist, so gibt es mir doch inzwischen die Möglichkeit, meine Ideen und Einfälle einigermaßen zu vertreten. Das mag nebensächlich klingen, ist aber der wichtigste Punkt dieses Berichtes. In diesem Jahr ist mir aufgefallen, was wohl kaum einem bewusst ist: Unsere stärkste Waffe ist die Sprache. Und diese Waffe habe ich nun zum Großteil zurückerobert, nachdem ich ihrer zu Anfang gänzlich beraubt war.

Bei Nacht in der Favela helfe ich beim ”Pontinho da Cultura“ und spiele fangen, Diabolo oder reden einfach mit den Kinder.Bei Nacht in der Favela helfe ich beim ”Pontinho da Cultura“ und spiele fangen, Diabolo oder reden einfach mit den Kinder.

Bei Nacht in der Favela helfe ich beim ”Pontinho da Cultura“ und spiele fangen, Diabolo oder reden einfach mit den Kinder.

Dadurch ist es mir inzwischen möglich, konstruktiv an den Konferenzen der Pädagogen teilzunehmen und so mehr über die Hintergründe und das Generalkonzept zu erfahren und selber Vorschläge einzubringen. Auch kann ich inzwischen meine eigene Meinung, mit meiner Kollegin zu teilen, so dass wir beide ein besseres Team werden und gegenseitig konkrete Probleme im Umgang mit unseren Schülern diskutieren können.

Auch Kultur und Menschen sind mir inzwischen vertrauter geworden und ich habe das Gefühl, mich sicherer in Brasilien verhalten zu können. Das geht einher, mit einer neuen Portion Selbstvertrauen und authentischem Verhalten. Hier ein klares „Nein, ich mache lieber anderes“ und dort ein geäußertes Unverständnis hilft mir auch, richtige Freunde zu finden.

Einige neue Celloschüler habe ich bekommen, wohingegen ich andere aufgeben musste. Freitags arbeite ich nun, anstelle in meiner Hortgruppe, im „Tecendo Futuro“, der Berufsorientierungsstätte von Monte Azul, und gebe dort, mit einem brasilianischen Mitarbeiter zusammen, einen Photokurs für Jugendliche. Doch grundsätzlich möchte ich weiterhin, in den gleichen Arbeitsbereichen tätig sein, wie im Vorjahr, denn im Hort und den Cellostunden sammle ich, selbst nach einem halben Jahr, jeden Tag neue Erfahrungen. Inzwischen auch auf einer tieferen Ebene. Familiäre Hintergründe beispielsweise werden mir erst jetzt, durch die Sprache, klar und helfen mir, tiefer zu verstehen, in welchem Bereich ich hier helfen kann.

Farbe sieht man reichlich zwischen den grauen Mauern. “Vielleicht verteidigen, immer kämpfen, niemals aufgeben.” steht zwischen Nationalität und  schöne Fraun geschrieben.

Farbe sieht man reichlich zwischen den grauen Mauern. “Vielleicht verteidigen, immer kämpfen, niemals aufgeben.” steht zwischen Nationalität und schöne Fraun geschrieben.

Erlebnispädagogik und politische Inhalte sind meine zwei wesentlichen Vorhaben, die ich bis August noch in irgendeiner Form einbringen möchte. Das eine in Form einer kleinen Reise mit den Kindern des „pontinho de cultura“ und das Andere in meiner Hortgruppe auf anschauliche Art und über Diskussionen im „Tecendo Futuro“ bereits etwas konkreter.

Doch auch meine Freizeit habe ich inzwischen neu eingerichtet. Morgens steht mindestens eine halbe Stunde Joggen auf dem Plan, was mir auch hilft, in meiner Hortgruppe vollkommen fit zu sein. Im Übrigen lese ich inzwischen größtenteils die São Pauler Tageszeitung in Portugiesisch, wodurch ich hoffe, meine Schriftsprache zu trainieren.

Ein kräftiger Wind des Idealismusweht durch meinen entwicklungspolitischen weltwärts-Dienst, mal schaun, was sich in der zweiten Halbzeit damit erreichen lässt.

Dank der Lebensfreude der Brasilianer fühle ich mich hier immer noch sauwohl.

Dank der Lebensfreude der Brasilianer fühle ich mich hier immer noch sauwohl.

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