Trotz Regen bin ich Freitagabend aufgebrochen, um von São Paulo nach Foz do Igauçu zu kommen. Für die Anreise per Anhalter habe ich drei Tage eingeplant und der Anfang ging überraschend gut. Der erste Lkw-Fahrer, den ich frage, nimmt mich von São Paulo bis nach Curitiba mit. Zwei Tage und eine Nacht im Stau auf der einzigen Nord-Süd Fernstraße im atlantischen Regenwald an der Ostküste Brasiliens, der „Régis Bittencourt“. Doch wo werde ich die Nacht am Rande der verstopften Landstraße Richtung Süden verbringen?

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Es ist Herbst und schon die ganze Woche über hat es geregnet, doch der Nieselregen, der an diesem Freitagnachmittag in São Paulo fällt, ist so fein und langsam, dass er schon fast an Schnee erinnert. Mit dem Bus im Feierabendverkehr fahre ich bis zur „Régis Bittencourt“. Die BR-116 ist nicht nur an diesem Karnevalwochenende, die pulsierende Verkehrsader von Rio de Janeiro und São Paulo, an die schönen südlichen Strände. Die Straßenschilder melden noch gute 400 km bis nach Curitiba.

Auf der Strecke stauen sich die Autos. Der Vorteil für mich, denn bei vollen Straßen mit langsamem Verkehr, finde ich schnell einen Lastwagen. Viele Fahrzeuge nutzten bereits den Standstreifen, um schneller voranzukommen. Polizei und Rettungskräfte bahnen sich mit Blinklicht und Sirenen einen Weg, so gut es geht. Denunziert wird hier keiner für das Behindern der Rettungskräfte. Nicht weil die Leute das nicht stören würde, sondern eher, weil die Polizei in solchen Fällen eh nichts tut. Sie quetscht sich ja selber an den Straftätern vorbei und macht die Augen zu. Da frag ich mich, was hält dann noch so viele, bei Stau, auf der Fahrbahn zu warten?

Die Régis Bittencourt (BR 116), als ich sie bei anbrechender Dunkelheit, bei der Abfahrt nach São Paulo erreiche.  Am Horizont ist die Raststätte, von der ich ohne zu Warten gleich mitgenommen werde.

Die Régis Bittencourt (BR 116), als ich sie bei anbrechender Dunkelheit, bei der Abfahrt nach São Paulo erreiche. Am Horizont ist die Raststätte, von der ich ohne zu Warten gleich mitgenommen werde.

Die Stammraststätte ist bald erreicht, doch wegen Überfüllung bereits geschlossen. Ein Stückchen weiter ist die nächste Raststätte gerade noch geöffnet. Gedrängt parken wir uns dreist direkt hinter einen anderen, und noch ehe wir den Motor ausgemacht haben, sind wir ebenfalls zugeparkt und auch diese Raststätte wird gesperrt.

Während er isst, mache ich mich auf die Suche nach einem Schlafplatz, doch die Umgebung ist sumpfig und schräg. Der atlantische Regenwald, der das Gebirge an der Ostküste überzieht und wo sich alles abregnet, was der Ostwind vom Meer herweht, ist schlafplatzfeindlich. Außerdem ist es stockfinster und zwischen den Büschen leuchten leicht verdächtige Baracken.

Als ich über den Parkplatz schlender, stelle ich fest, dass die Lkws wie Ölsardinen parken. Die Raststätten werden nicht geschlossen, wenn alle Parkplätze voll sind, sondern erst, wenn sämtliche Zufahrts- Ausfahrts- und Rettungswege verparkt sind.

Der atlantische Regenwald. Unglaublich grün und schon jetzt, Ende Sommer, gibt es kalte 20 Grad und dauerhafter Regen, der die Gipfel in einer tiefen Nebelschicht versteckt.

Der atlantische Regenwald. Unglaublich grün und schon jetzt, Ende Sommer, gibt es kalte 20 Grad und dauerhafter Regen, der die Gipfel in einer tiefen Nebelschicht versteckt.

Ich treffe auf einen gesprächigen Fahrer, der mir nach einigen Worten anbietet, unter seinem Hänger zu schlafen. Ich halte es für die beste Ruhestätte, da ich zwischen den Reifen vor allen Blicken geschützt bin.

Ich bin gespannt, wie Morgen die Lkws rauskommen werden, und schlafe schnell auf meiner Luftisomatte in meinem warmen Daunenschlafsack ein.

Nächster Tag: Europa in Brasilien>>>

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