5 Uhr verlasse ich das mit Elektrozaun gesicherte Hochhaus meiner Couchsurferin und, während ich auf dem Weg zur Bus-Docking-Station über Schnapsleichen steige, wird es in Curitiba von der schwarzen Nacht zum blauen Morgen. Nach etwas Suchen geht es gleich weiter im Hühnchentransporter und während der Fahrt ans Westende Brasiliens wird es wärmer und die Sonne bricht durch. Die Handelszentrale für Agrarexporte bis in deutsche Läden, ist zwar Mekka aller Lkw-Fahrer, doch das 100 km entfernte Foz do Iguaçu ist Mekka aller Touristen und von daher nicht schneller zu erreichen, wenn man auf Lkws angewiesen ist.

In Brasilien ist Trampen recht gern gesehen, auch wenn Privatpersonen einen selten mitnehmen. Einerseits, weil kaum welche mit dem Auto weit reisen, denn hier reist man normalerweise mit dem Bus. Andererseits, weil wenn man doch mit Auto unterwegs ist, ist dieses meisten schon übervoll. Sollte doch ein Platz frei sein, ist der Fahrer aus der Oberschicht und hat Angst, vor Überfällen und Drogenhandel. Doch Tankwarte und selbst die Polizei hilft oft gerne mit, und passt auf Gepäck auf, oder verhandelt mit sturen Lkw-Fahrern, bis man mitgenommen wird. Im Amazonas habe ich erlebt, dass die Polizei sogar Lastwagen anhält, damit ich mitfahren kann.

Diashow: Nach den Bananenfeldern um Curitiba geht es in die Hochebene im zentralen Paraná. 

Ein tiefblauer See in der unberührten Natur der Hochebene.

Ein tiefblauer See in der unberührten Natur der Hochebene.

In eine kleine windige Stadt der Hochebene, die neben einer Ziegelei nur die Breite BR 277 und einer Tankstelle für die Fernfahrer zu bieten hat, finden wir in einem unauffälligen Schuppen, ein fürstliches Büfett, bei dem der Grillmeister mit den frischen, würzigen Spießen an die Tische kommt. Als ich aussteige, merke ich, wie in der knallenden Sonne, dem Wind und der trockenen Luft meine Haut austrocknet.

Hier im Hochlandwind wächst das Korn Brasilien und auf der BR-277 fahren Laster, entweder mit Fleisch und Hühnchen beladen oder mit Korn, Mais und Soja, das sie alles in den Hafen von Paranagua bringen.

Höchstens alle 30 min. kommen am Straßenrand eine Stadt. In der Einöde gibt es ansonsten nur Tankstellen, die oft sehr dicht beieinanderstehen und dann wieder eine Ewigkeit keine kommt. Was aber immer sehr regelmäßig kommt, sind Mautstellen, Polizeistationen und „Borracherien“. Durch die schlechte Bereifung, die die Lkws immer in den Straßengraben schleudern, (sie fahren meist zwischen 100 und 120 km/h, auch wenn nur 80 erlaubt ist) sind die „Borracherin“ (Reifenläden) dazu da, auf die Profillosen Schlappen neues Gummi aufzuwalzen.

Die BR-277 über die Hochebene und dem goldgelben Sojaanbau.

Die BR-277 über die Hochebene und dem goldgelben Sojaanbau.

Was auf den ersten Eindruck als logisch erscheint, ist die Funktion der Polizei. Doch nach mehrmaligem Überlegen ist das doch zu hinterfragen. Sie halten Lkws an und meist passiert nicht mehr, als dass 5 bis 10 Reais von der einen Hand in die andere wandern. Weis der Fahrer jedoch, dass irgendwas Gröberes nicht stimmt, z.B. Führerscheinloses fahren oder Transport von unschädlichen, aber illegalen Gütern, so sollte er sich mit 50 Reais von vornherein etwas großzügiger erweisen. Touristen werden generell etwas höher berechnet.

Tut er dies nicht, drohen sehr lange Wartezeiten, denn die Polizei hat dort nichts zu tun und mit Ausdauer finden die Bullen immer etwas Unpassendes, was dem Fahrer oder dem Unternehmen dann meist teuer zu stehen kommt. Um dies zu umgehen, haben die Transportunternehmen eine extra Kasse eingerichtet, wodurch die Fahrer die sehr hohen Ausgaben an die Polizei erstattet bekommen. Auch wenn keine Rechnung vorgelegt werden kann. Die Polizei hier in Paraná sie die Schlimmste, so klagen die Fahrer.

Das Büro eines Transportunternehmens ausgestattet mit Telefon, Schreibmaschine und Faxgerät. Davor eine Tafel mit den Routen, die sie fahren, sowie Tonnenpreise für Soja, Weizen oder Mais.

Das Büro eines Transportunternehmens ausgestattet mit Telefon, Schreibmaschine und Faxgerät. Davor eine Tafel mit den Routen, die sie fahren, sowie Tonnenpreise für Soja, Weizen oder Mais.

Cascavel erreichen wir abends um 4:30. In einer großen Halle, an der Raststätte haben über 20 Transportunternehmen ein kleines Büro. Der Transportpreis passt sich der Menge an, die transportiert werden muss und der zur Verfügung stehenden Transporter. So schwankt der Preis ständig, so wird hier gehandelt und gefeilscht. Die meisten Fahrer sind selbstständig und so werden die Preise von den unternehmen sehr gedrückt.

Fast im Minutentakt verlässt ein Laster die Kornstadt hier in Zentralbrasilien Richtung Hafen Paranagua. Nach Curitiba zurück geht es immer, doch nach „Foz“ fährt hier kein Mensch mehr. So verbringe ich die sternklare Nacht auf einem Sojafeld am Stadtrand zusammen mit ein paar Straßenhunden, die sich über meine idyllische Nacht ärgern.

Beim ersten Morgengrau bereits gepackt: Mein Rucksack im Sojafeld.

Beim ersten Morgengrau bereits gepackt: Mein Rucksack im Sojafeld.

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