Letzten Sonntag bin ich ins Flugzeug nach Salvador gestiegen, um zwei Wochen Ferien im warmen Bahia und Pernambuco zu verbringen. Nachdem ich Montag alleine und Dienstag zusammen mit Freunden Salvador erkundet habe, bin ich bereits Dienstag abend an die „Grüne Linie“ zum Trampen gegangen. Die „Grüne Linie“ ist eine Überlandstaße durch die schönen Dünen und das arme Hinterland Bahias und Sergipe. Eine Nacht habe ich dann in den schönen Sanddünen verbracht und bin am Tag darauf bereits bis Aracaju gekommen, wo ich bei einen super netten Couchsurfer wohne. 

Das schöne Statdzentrum von Salvador

Schon der Geruch ist ganz anders. Es ist warme Meerluft angefüllt mit den würzigen Gerüchen der typischen afrobrasilianischen Gerichten am Straßenrand. Die ehemalige Hauptstadt (vor Brasilia und Rio de Janeiro)  ist einiges schöner, als Sao Paulo, bunter und fröhlicher. Es gibt eine auffallend schöne Architektur in der Alltstad, durch die vielen von Sklaven errichteten bunten Häuschen und Kathedralen genau so wie im schönen Zentrum mit Wolkenkratzern.

Bahia ist der Ankunftsort der meisten Sklaven aus Afrika. Bis heute sind hier 80 % der Bevölkerung schwarz und bis heute ist überall der Einfluss der afrikansichen Kultur und der Konflikt der Sklavenarbeit zu spüren. Ein Freund meiner Freiwilligenbetreuerin aus Monte Azul mit dem Namen Americo, führt mich durch die bunt-belebten Straßen Salvadors. Entgegen seines Namens hält er wenig von Amerika und der westlichen Kultur, dafür gibt er Tanz und Percussionsunterricht an Schulen und in Tanzschulen um besonders den Kindern ihren afrobrasilianischen kulturelle Standpunkt zu vermitteln. Bis heute gäbe es hier Rassismus, meint er, als präsident einer Organisation für die Rechte der Schwarzen.

Die traditionelle bahianische Mode der Fraun.

Der 2. Juli, ist hier ein besonderes Datum. Mir fiel es auf, weil es auf vielen Omnibussen, Autos und Straßenschildern steht. An diesem Tag im Jahre 1888 haben die schwarzen Sklaven, die weißen europäer aus Salvador verjagt. Vorher flüchteten viele Sklaven in versteckte Lager, die sich bald zu Dörfern entwickelten und sich Quilombos nannten. Dort entwickelte sich die wirkliche Afrobrasilianische Kultur mit Tanz, Musik, Capoeira und der nötigen Kampftechnik, die Quilobos gegen weiße Sklaventreiber zu verteidigen und schlussendlich sich gänzlich, wie am 2. Juli geschehen, zu befreien.

Auch Americos Religion ist sehr typisch. Er ist katholik, weil diese Kirche zur Sklavenzeit die einzige in Brasilien war und alle zu diesem Glauben gezwungen hat. Daneben gehört er jedoch gleichzeitig Candoble an, die Kirche der Schwarzen. Andernorts wird Candomble als teuflisch verflucht, doch hier hat sich die katholische Kirche daran gewönen müssen. Die Sklaven gaben ihren eigenen Gottheiten zur Tarnung christliche Namen und legten die Feste auf die gleichen Tage, wie die der katholischen.

Er ist wirklich stolz auf seine Kultur, er trägt seine eigene Mode, die eine Freundin von ihm näht. Er ist lebendiger Bahiana.

Ein Dörfen im Hinterland von Bahia

Ich dagegen bin hier wirklich eine Ausnahme und das merke ich mit jedem Blick, den ich hier genieße. Ich genieße auch nicht nur besonderen Blicke der schlanken, schwarzen Schönheiten sondern auch das tolle Wetter, das selbst bei Regen nicht abkühlt. Nur nachts überlege ich mir beim Summen der endlosvielen Mücken, ob ich nicht doch kalte Gegenden bevorzuge.

Jetzt muss ich weiter nach Norden, bei Sonnenschein und guten 25 Grad bis fast nach Recife trampen. In Ribeirao in Pernambuco treffe ich Newton, meinen Freund, mit dem ich bereits in Manaus reisen war.

 

 

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