Immer wieder erinnere ich mich an die Reise in den Regenwald, in die Heimat meines indianischen Freundes Bú’u und ich frage mich immer wieder, wodurch diese alte Kultur in unserer Modernen ein solches Ansehen und so viele Verehrer hat. Dort wo ich Indianer gesehen habe, waren sie stets die Versager oder allerhöchstens normale Arbeiter. Doch was ist wahr, an dem in Deutschland so verbreiteten Glauben an ein übermenschliches Volk. 

Aus Gesprächen mit meinem Freund Bú’u, einem Indianer aus dem Stamme der Tukano.

Der Krankenwagen im tiefen Urwald bei Santa Isabell ist grün und der grüne Partywagen holt sonntags die umgekippten Indianer ab, die zu viel gesoffen haben. Wenn nicht das Feuerwasser des weißen Mannes, was sonst hat, die Kultur der Indianer zerstört.

Das Kultur- und Wirtschaftsleben in Brasilien, der Heimat der Indianer, wird von Weißen und teilweise von Schwarzen bestimmt. Sie verfügen über Kapital und Regierungsgewalt und bestimmen damit, wer Geld und Privilegien erhält, wem welches Stück Land gehört, und wer Arm ist. Und wenn die Indianer in ihrem eigenen Land erfolgreich sein wollen, müssen sie erst ihre Gewohnheiten aufgeben und die der weißen annehmen. In erste Linie heißt das, Zeit und Menschlichkeit für Effektivität und Egoismus opfern.

Das Interesse der brasilianischen Stattbevölkerung für die Ureinwohner im eigenen Land ist relativ klein. Sie sind eine touristische Sehenswürdigkeit, doch sonst interessiert sich keiner mehr für die Gruppierungen versoffener wilder, die am Rande der Großstädte in Favelas leben, die „Faulen“, die vom Staat eine Lebensrente bekommen und dadurch kein Bock haben, zu arbeiten.

„Indianer sind Dösköppe so wie wir“, behauptet sogar Rüdiger Nehberg, der kulturell wachsame Survival-Experte, der einige Reisen in die abgelegensten Urwaldregionen zu den Yanomami-Indianern gemacht hat. Auch ich glaube, dass die wenigsten Indianer heilig oder weise gewesen wären, doch sie hatten eine Stärke, die ihnen bei uns ein so hohes Ansehen verschafft hat.

Zum einen könnte das der perfekte Einklang zwischen Mensch und Natur sein, in dem die Indianer leben. Ich selber könnte niemals im Urwald so wie die Indianer leben. Mir würde stinklangweilig werden. Wir „westlichen“ Menschen sind ein Stück weit versklavt. Früher waren wir es gegenüber der Adligen und Monarchen. Durch Stände und der Lehre, dass es verschieden würdige Menschen gäbe, sah es jeder als normal an und die Kirche half mit, dass es keiner anzweifelte. Heute sind wir versklavt von unserem Geldsystem und unserer Wirtschaft. Und heute helfen die Schulen und Medien mit, dass keiner anzweifelt, dass es nicht wirklich so sein müsste. Únd jeder strebt so nach Erfolg, Effektivität und besser sein, als der andere.

Gibt es noch eine Welt, wie es sie bei den Indianer gab?

Im Urwald gibt es dieses Denken nicht. Es gibt einfach nichts Richtiges zu tun und ich fühle mich wie ein Sklave, dem plötzlich sein Herrscher fehlt und der nun alleine die Farm bewirtschaften muss, ohne Zwang. In dem Fall muss ich plötzlich selber mein Leben in Freiheit, ohne dem kapitalistischen Druck gestalten. Ich bin als Kapitalist erzogen worden, auch wenn das vermutlich weder meine Eltern noch meine Lehrer wollten. Ich habe mich vermutlich sowieso, wie jeder andere auch, durch meine Vorbilder und Wertevorstellungen selber erzogen. Und dazugehört Effektivität, Schnelligkeit, Wissen und schlussendlich Geld und Anerkennung. Alles Dinge, die im Urwald keinen interessieren.

Die Indianer haben keinen Druck. Keiner wird zur Arbeit gezwungen, weder von Menschen noch vom Geld. Jeder erhält soviel, wie er braucht unabhängig von dem, was er tut. Und in hier sehen wir, dass Menschen in Freiheit einen natürlichen Ausgleich zwischen Arbeit, Spielen und Schlafen finden. Nur dass es den Begriff der Arbeit nicht gibt. Alles ist leben, und nur, weil alles im richtigen Maß zusammen kommt, ist es leben. Für jemanden, wie mich, fehlt in dieser Gesellschaft das Ziel. Doch innerlich bewundern wir diese natürliche Freiheit und damit auch die Indianer. Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde uns in die Richtung bringen, aber nur, wenn auch die Menschen verstehen würden, dass sie frei sind. Nur wer frei denkt, wird, wie die Indianer, in das natürliche Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit kommen. Wer sich aus diesem Vorurteil nicht befreit, wird durch das Grundeinkommen lediglich ein Versteck zum Faulenzen vor dem Sklaventreiber gefunden habe. Doch bisher möchten zu viele noch nicht auf ihren Sklaventreiber, dem Kapitalismus, verzichten.

Zum anderen können Indianer niemandem Böse sein. Daher sind sie jedem Streit überlegen. Das heißt, sie können es, aber sie haben gelernt, sich soweit zu beherrschen, dass sie es nicht tun. Das liegt an ihrem starken Glauben an geistige und gedankliche Kräfte. Das bedeutet, was ich über jemanden Denke, hat Auswirkung auf die Energie, die derjenige bekommt. Denke ich gut über jemanden, bekommt er Energie, habe ich aber Wut, Hass oder Vergeltungssucht, zieht die negative Energie dem anderen Menschen so viel Energie, dass dieser krank werden kann oder gar stirbt.

Dieser dunklen Macht möchte kein Indianer verfallen und daher schauen sie immer ruhig und gutmütig. Dabei ist das Töten eines Menschen, der weder befreundet noch verwandt mit dem eigenen Stamm ist, nicht schlimmer, als wenn man einen Affen oder Leoparden erschießt. Geistesschranken wie „Du sollst nicht töten“ sickern erst heutzutage zu den abgeschiedenen Gegenden des Urwalds durch. Von den Naturgesetzten des Regenwalds weist keines auf eine kategorische Höherstellung menschlicher gegenüber tierischer Feinde hin.

Ein Indianerjunge im gesunden Regenwald

Für die Jagd entzieht der Indianerhäuptling den Opfern in Ritualen zunächst gedanklich die Lebensenergie, bevor die Jäger des Stammes das Tier erlegen. Für einen Krieg zwischen zwei Stämmen wird dies aber nicht versucht. Da es im Glauben der Indianer keinen übergreifenden Geist für Menschen gibt, in der Form, wie es ihn für alle Affen, alle Vögel und alle Bäume gibt. Jeder Mensch ist aber persönlich und individuell in der geistigen Welt vertreten, nicht durch einen gemeinsamen Geist, den man um Tötung bitten könnte. Die Rituale des Jagens richten sich an den großen Geist und die geistige Welt, wo man um den Verzehr eines Tieres bittet. Die Bitte bezieht sich also nicht auf das Töten oder Sterben eines Tieres, sondern auf das Aufnehmen als Nahrung, auf das Stärkende und Gute in dem verstorbenen Wesen.

Damit ist auch die Wahrnehmung von Tod und Sterben eine andere, als wir Europäer sie empfinden, wenn wir weinend an einem Grab stehen. Indianer können unglaublich gute Witze darüber reißen, an was der Urgroßvater oder gar der Bruder gestorben ist. Mitgefühl und Trauer zeigen sie nicht einmal, wenn die eigene Mutter stirbt, auch wenn das im eigenen Leben eine große Veränderung darstellt. Es ist auch kein Wunder, da sie in geistigen Ritualen durch das Rauschgiftgetränk „Awaska“ stets Kontakt zu den verstorbenen Vorfahren aufbauen können. Dabei scheint es auch unwichtig zu sein, wie lange dieser bereits tot ist. Mein indianischer Freund erzählt mir immer wieder gerne von seinen Reisen zu vorfahren, sei es er hätte mit Rudolf Steiner, seiner verstorbenen Großeltern oder mit seiner entfernten, noch lebenden Familie gesprochen.

In diesen geistigen Reisen kommt es auch darauf an, stets mit positiven Gefühlen einen anderen Menschen, verstorben oder lebendig zu kontaktieren, denn bei negativen Gefühlen, kann der vermaledeite krank werden oder gar sterben. Auf meine Frage hin, weshalb Indianer sich dann nicht geistig gegen die Einwanderer und Goldsucher gewehrt haben, als sie den Indianern Land und Lebensraum zerstörten, reagiert mein Freund eher konfus.

Es ist eben nicht die materialistisch zielführende Art des Denkens und Planens, das Indianer auszeichnet, es ist das Geistige. Klar könnten Indianer mit den entsprechenden Fähigkeiten jederzeit von verhassten Mitmenschen bis zu den Präsidenten verschiedener Nationen, alle Menschen umbringen, doch das widerspräche der eigenen Reinheit.

Und um keinen Schritt in die falsche Richtung zu tun, erzürnt sich kein Indianer gegenüber anderen Menschen, denn dies wäre bereits ein Schritt zum Unheil des Mitmenschen. Ein Schritt zur schwarzen Maggie. Sich stets von dieser zu befreien, zeichnet bis heute den Lebensinhalt der Indianer aus und gleichzeitig das große Ansehen ihrer Kultur in der unseren. Wer niemals negativ über einen anderen denkt, entwickelt die stärksten positiven geistigen Kräfte, mit denen Gutes in der Welt getan werden kann. Ein Medizinmann braucht weder schlau sein, noch lesen oder rechnen können, er braucht nur die Fähigkeit stets positiv zu denken, um so mit seiner positiven Energie andere zu heilen. Denn alle Krankheiten sind, dem geistigen Glauben zufolge, stets in der geistigen Welt verankert. Dort muss man nur tief genug vordringen. Körperlich behinderte, Krüppel und geistig Behinderte, werden allerdings bis heute noch, in strengen Stämmen, umgebracht.

Nur, dass Indianer durch den fehlenden kulturellen Zusammenhalt und die verwirrenden Theorien anderer Religionen, oft nicht mehr in der Lage sind, zwischen den richtigen Wegen zu wählen. Sie sind kulturlos. Für was sollen sie kämpfen. Wenn wegen Geld so viel Unheil an ihrer Kultur verrichtet wurde, warum ist es dann gut, Geld zu verdienen? Das Volk verliert in unserer Kultur seine Stärke, da es in einer Umgebung von Effektivität, Erfolg und Egoismus nicht auf Gemeinschaft, Geisteskräfte und Götter ankommt.

Ghandi sagte bereits dazu:

Ghandi, Indischer Freiheitskämpfer

Ghandi, Indischer Freiheitskämpfer

Pflege immer gute Gedanken, Denn deine Gedanken, Werden zu deinen Worten.

Pflege gute Worte, Denn deine Worte, Werden zu deinen Handlungen.

Pflege gute Handlungen, Denn dein Handlungen, werden zu deinen Gewohnheiten.

Pflege gute Gewohnheiten, Denn deine Gewohnheiten, Werden zu deinen Werten.

Pflege gute Werte, Denn deine Werte, Werden zu deinem eigenen Ziele.

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