Einen Tag habe ich mir in der schönen Stadt Florianopolis gegönnt, obgleich der Zeitplan von einem Monat für die Tramptour bis nach Peru recht knapp ist. Doch der Tag hat sich gelohnt. Klettern in den Bergen der Insel und danach an Strand. Floripa ist von Industrie und Freizeitsportarten gleichermaßen umkämpft.

Florianopolis von einem Kletterfelsen auf der Insel mit Blick aufs Festland. Hinten links sieht man die verbindende Brücke.

Florianopolis, was von Einheimischen liebevoll als Floripa bezeichnet wird, konnte ich heute an einem Tag vielleicht nicht wirklich kennen lernen, doch auf jeden Fall genießen. Es liegt, ähnlich wie Neuseeland (vor Australien) und Madagaskar (vor Afrika), auf einer Insel (vor Brasilien). Nur dass diese Insel viel kleiner ist. Die Stadt hat halb so viele Einwohner wie Stuttgart (300.000) und liegt halb auf dem Festland und halb auf der Insel. Insel und Festland sind durch eine Brück verbunden. Durch die vielen Wolkenkratzer und reichen Villen im Zentrum, scheint die Stadt jedoch etwas wichtiger. Immerhin gibt es hier auch viele Weltweit agierende Firmen, unter Anderem Simens. Hier im Sueden liegt das Wirtschaftszentrum Brasiliens, sozusagen das Gegenteil vom Nordosten und dem kulturellen buten Salvador, wo ich vor zwei wochen Trampen war. Hier gibt es kaum Schwarze oder Afrobrasilianer. Die Leute sind etwas verschlossener, ähnlich den europäern und es gibt einen Fahrplan für Busse, der penibelst eingehalten wird. Fast etwas beängstigend für mich, nach einem Jahr lari-fari Sao Paulo.

Lagoa da Conceição zur Morgendämmerung

Ich wohne hier in einer WG von Geografiestudenten. Ein richtig offenes und nettes Völkchen mit einem wunderschönen, kleinen Haus, direkt am See „Lagoa da Conceição“. Florianopolis ist generell offen für Drogen, da hier eine recht reiche, gebildete und junge Bevölkerung lebt. Marihuana ist daher echt nicht teuer, außerdem für die Gesundheit unproblematisch und so wird hier zu jedem Gemeinschaftsanlass ein Joint herumgereicht.

Ganz früh bin ich aber aufgestanden, um mit meinem Gastgeber mit Raster-Haaren, klettern zu gehen. Das war toll. An einer Felswand auf der Insel, überhalb der Stadt, hatte ich eine Einsicht und eine großartige Aussicht. Die Einsicht war, dass ich nach einem Jahr Kinderhüten in Sao Paulo absolut außer Form bin und die Auswicht war das beeindruckende Panorama der Stadt in der heißen Sonne des brasilianischen Winter. Mit zitternden Händen und weichen Knien habe ich also an der Felswand meine Kamera gezückt und unter Einsatz meines Lebens fotografiert.

Mein Mitbewohner in der Wand

Floripa ist auf jeden Fall verdammt schön. Nicht nur des Strandes wegen, wo Wellen-, Wind- und Drachensurfer ihre Leidenschaft rauslassen. Den Nachmittag bin ich dann ein bisschen mit dem Fahrrad durch die Stadt gefahren. Diese Gegend ist das Gegenteil vom Regenwald. Die Hitze ist die gleiche, doch es kommt kein tropfen Schweiß. Alles verdunstet in der trockenen Luft.

Letztendlich gesellen wir uns an den Strand, baden, machen Kopfstand, singen und quatschen, bis die Dämmerung kommt und wir, bevor es dunkel wird, gemütlich wieder nach Hause radeln.

Morgen geht es für mich weiter nach Porto Alegre, weiter im Süden auf dem Weg nach Buenos Aires.

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