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Nach einem Jahr im Früchteparadies Brasilien habe ich fast vergessen, dass Menschen ja auch anders sein können als meine Freunde der Lebensfreude, der herzlichkeit und des Fußballs. Obgleich Paraguay der direkte Nachbar ist, gibt es schon bemerkenswerte Unterschiede zwischen den Völkern

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In den Bus steigen Menschen in braune oder graue, dicken Pelzjacken gehüllt. Elegante, natürliche Frauen, schön, auch ohne der dicken Schicht Make-up und den cremig-glitzernden Haaren, die ich aus Brasilien gewöhnt bin. Die bärtigen Männer haben oft lange Haare. Als ich in Brasilien ankam und noch lange Haare hatte, wurde ich oft aufgefordert, diese zu schneiden, denn ich sei ja nicht Schwul und auch keine Penner. Hier in Uruguay jedoch ist das ganz normal beziehungsweise die Leute wollen etwas dagegen sein. Etwas offen, kämpferisch und natürlich. An den Wänden stehen oft revolutionäre Parolen. „Unsere Gemeinsamkeit macht uns stark“ oder ähnliche linksorientierte Schlagwörter fallen mir auf.

Streikende Arbeiter des öffentlichen Dienstes neben dem Regierungspalast in Montevideo letzen Mittwoch

Seit kurzem ist die Regierung ebenfalls linksorientiert und achtet sehr auf die Stimmen des Volkes, weshalb es auch recht viele Streiks und Demonstrationen gibt. Eine politische Wachsmkeit, wie ich sie in dem, von militärdiktatorischen Zügen geprägten, Brasilien vermisst hatte.

Die Menschen auf den kalten und verregneten Straßen sind etwas ruhiger und weniger überschwänglich gut gelaunt als im farbenfrohen Brasilien. Auch scheinen sie weniger hilfsbereit, da sie direkter sind. Wer den Ort nicht kennt, nachdem ich gefragt habe, sagt einfach „weiß ich nicht“ und läuft weiter, anstelle wie die Brasilianer, mir liebenswürdig die eigenen Vermutungen kompliziert zu erklären. Wenn sie jedoch helfen können ist alles schnell,  klar und korrekt erklärt. Und so komme ich auch hier immer gut ans Ziel.

Uruguay

Das weitläufige und wilde Hinterland nur wenig über Meeresnieveau, ist sehr von Viehzucht geprägt. Pferde und Kühe stehen oft bis zu den Knien in den Sumpfigen grünen Wiesen, die jetzt zur Winterszeit von einem mystischen Nebel überzogen sind, in dem Wälder und Gebirge verschwinden.

Die Lkws bringen in großen Transporte die lebenden Tiere in den Hafen von Montevideo, wo sie in alle Länder verschifft werden. In der kalten Luft steigt über den Vietransportern die Atem- und Dampfwolken der warmen Tiere auf.

Ich brauche beim Trampen nicht lange zu warten und werde gerne mitgenommen. Die Fahrer hier sind weniger ängstlich. Brasilien hingegen hat hier einen sehr gefährlichen Ruf. In Gesprächen muss ich die Fahrer meistens Beruhigen, dass wir in Brasilien dennoch friedlich und glücklich leben können. Doch die Kluft zwischen Arm und Reich scheint in diesem kleinen Land auch tatsächlich nicht so groß zu sein.

Pferdekutschen und Gauchos lockern das Straßenbild mit den vielen historischen Gebäuden schön auf. Mir gefällt Uruguay, ein etwas raues, jedoch gemütliches Land.

Hauptstadt: Montevideo (1,3 Mio. Einw.)
Landessprache: Spanisch
Einwohner: 3,5 Mio. Fläche: 176.000 km² Einwohnerdichte: 19,9 Einw/km²

(zum Vergleich Deutschland: Einw. 82 Mio. Fläche: 357.000 km² Einw.dichte: 229 Einw/km²)

Nationalhymne Orientales, la Patria o la tumba
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