Freitag kam ich hier in Buenos Aires an, wohne seither bei zwei deutschen Freiwilligen auf dem Geländer einer wohlhabenden Waldorfschule und warte ungeduldig auf meine Wäsche. Dabei habe ich jede Menge kennen gelernt. Vom reichen Zentrum sowie von den armen Vororten.

Offen gesagt erinnern die Bus aus Buenos Aires nicht selten an einen Nachtclub im Rotlichtmilieue.

Die Schule ist hier in einem Viertel der Mittelschicht. Irgendwie bestätigt sich dabei der Ruf, den die Argentinier in Brasilien haben: Arrogant, effektiv und unmenschlich. Das hat seine Vorteile. Der Bus fährt pünktlich, ist nicht so brechend überfüllt und der effektive Fahrer fährt und kassiert gleichzeitig, wodurch der 2. Mann im Bus, der in Brasilien die Fahrscheine verkauft, überflüssig ist und der Bus statt 1,50 € nur 30 Cent im Durchschnitt kostet.

Die typische Waldorfschule, wo zwei deutsche Freiwillige Hausmeisterarbeiten machen, ob gleich diese Oberschicht, aus der diese Kinder stammen, nun wirklich keine kostenlose Hilfe nötig haben.

Doch irgendwie muss ich meine Menschlichkeit, die in Brasilien so offen und herzlich geworden ist, auch etwas abhärten. Wenn ich jemanden besuche wird nicht selbstverständlich in rauen Mengen Reis und Bohnen mit einem saftigen Stück Fleisch gekocht. Hier muss man sich anmelden, wenn man mitessen will.

Im Zentrum mit der prunkvollen Universität des Rechtswesens im Bild. Wäre doch die Realität genauso prunkvoll.

Es ist in gewisser Weise wie in Europa. Das ist auch nicht überraschend, so ist doch auch die Bevölkerung genauso weiß wie die heimische. Argentinien und besonders Buenos Aires wurde vor Jahrhunderten insbesondere von europäischen Aristokraten besiedelt.

Die nostalgischen Straßenzüge

Und an Stelle sich dem südländischen anzupassen, sagen viele, die Argentinier wären noch europäischer geworden. Noch stilvoller, noch teurer und noch kulturelle soll die Hauptstadt des Silbers einst gewesen sein. Und bis heute ist das schöne und überschaubare Zentrum der Stadt mit alten und nostalgischen großen Häusern und Villen ausgestattet.

Der Blick vom Regierungspalast vor dem die Demonstrationen stattfinden auf das Gebäude der legislativen.

Nur in einem Punkt ist Argentinien dem typischen lateinamerikanischen Lauf gefolgt und hat das gemäßigt europäische zurückgelassen. Und das ist die Korruption. Obgleich nach einer Militärdiktatur bis in die 80 Jahre,

Der alte Hafen wurde architektonisch aufgepeppt und dahinter entsteht ein großes Industriegebiet.

das Bildungsniveau sehr hoch war, stürzten Korruption und Affären von unfähigen Staatsmännern das Land 2001 fast in den Staatsruin. Erst Kirchner (ein Präsident mit deutscher Abstammung), dessen Frau die aktuelle Präsidenten ist, konnte das Land aus der Pampa ziehen und wirtschaftlich einigermaßen stabilisieren.

traditionelle leckerrei. Geschmack von Fastnachtskrapfen und eine Füllung aus Süßer Milch

Bei dieser Kälte lassen sich räuchermännchen in allen Formen sehr gut verkaufen.

Diesen Konflikt spürt man bis heute noch. Im Stadtzentrum sind ständig Demonstrationen verschiedener Art. Mir scheint, jeder Bewohner dieses Landes mit Wahlzwang, hat eine politische Meinung und kann diese sogar begründen. Ein wachsames Volk.

Besuch in einem wunderschönen Sozialprojekt

Heute war ich noch in einem sozialen Projekt für Kinder einer Favela (Tedar genannt http://www.cultivarte.org.ar/). Dabei konnte ich noch die andere Seite dieser kulturellen Stadt des Tangos kennen lernen. Hier wohnen wirklich noch arme Leute. Die Favelas liegen in der ebenen, feuchten Landschaft der „Pamapa“ und sind daher unscheinbarer als die brasilianischen Slums an den Hängen, wo sie aus der ganzen Stadt zu sehen sind. Dennoch gibt es diese Armenviertel auch in Argentinien und besonders an den Landstraßen.

Der Knirps aus der Favela will meine Gitarre gar nicht mehr hergeben. Rechts dahinter steht der 23 Jährige freiwillige Leiter des Kindergartens

Hier ist die Bevölkerung bereits viel dunkler und vermutlich von den Indianern abstammend. Schade, dass sich auch hier noch das Armutsgefälle nach der Hautfarbe richtet. Doch die Arbeit dieser Organisation ist wirklich schön. Es wird ausschließlich von argentinischen Jugendlichen geleitet, unterstützt von einer deutschen Freiwilligen, was ich sehr bewundere. Sie spielen mit den Kindern, machen mit ihnen Kindergarten, essen mit ihnen und geben ihnen eine schöne Erziehung die sie vermutlich in der kalten Favela nicht haben.

Die Kinder sind wesentlich anhänglicher als die aus Monte Azul aber mindestens genauso frech. Sie können es kaum einsehen, dass sie nicht die ganze Zeit auf meiner Gitarre klimpern dürfen, sondern dass es auch Momente gibt, in denen nur ich spielen darf. Doch dank der Liebe, die sie von einer Freiwilligen erhalten, können sie jeden Streit und jede Wut schnell vergessen.

kleiner Abstecher auf einen Segelflugplatz in der pottebenen Pampa um Buenos Aires herum.

So ist Buenos Aires. Es gibt alles vom Europäer bis zum Indianer von Arm bis reich und genau diese Mischung macht eben die Kultur in dieser Stadt aus, die weit mehr ist, als nur der Tango. Morgen mittag kommt hoffentlich meine Wäsche zurück, die ich zum Waschen am Freitag jemanden mitgegeben habe. Da der gestrige Montag Nationalfeiertag war, zu Ehren von José de San Martin, der nach einer spektakulären Andenüberquerung Argentinien befreit hat, musste ich noch warten. Doch erreiche ich morgen bereits Santiago, die Hauptstadt von Chile?

Argentinien:

Hauptstadt: Buenos Aires (2,7 Mio. Einw.)
Landessprache: Spanisch
Einwohner: 40,5 Mio. Fläche: 2,78 Mio. km² Einwohnerdichte: 14,4 Einw/km²

(zum Vergleich Deutschland: Einw. 82 Mio. Fläche: 357.000 km² Einw.dichte: 229 Einw/km²)

Nationalhymne Himno Nacional Argentino


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