Die Fahrt von Villa Mercedes nach Mendoza in einem alten Lkw hat mir Hoffnung gemacht. Hoffnung, dass man auch ohne einer Spur von Intelligenz irgendwo auf der Welt noch Lastwagenfahrer werden kann. Trotz Karte und GPS-Gerät ist der Fahrer der mich mit nach Mendoza nahm, an jedem Straßenschild angehalten, um seinen Chef anzurufen und zu fragen, wo es langgeht. Und das auf der Ruta 7, der einzigen Straße weit und breit die Buenos Aires im Osten mit Mendoza im Westen Argentiniens verbindet und wo man nur gerade aus fahren muss. Stets durch die Pampa… Doch eigentlich gibt es viel spannenderes zu berichten. Über Kultur in einer Quadratstadt und meiner ersten Erfahrung als spanischer Geschichtslehrer ohne richtig spanisch zu können…

Leckeres, dezentes Essen aber mit viel Fleisch esse ich bei der stilvollen Familie.

Die Familie, die ich über Couchsurfing in Villa Mercedes gefunden hatte war sehr liebenswürdig und charakteristisch, nicht nur das Essen wo ich zum ersten Mal eine Magen-Suppe gegessen hatte. Die Magenwand war lecker zubereitet und ohne der Vorstellung, was es wirklich war, schmeckte es wie Flädlesuppe.

Wie unschwer zu erkenne ist, sind alle Straßen rechtwinkelig zueinander und dazu noch Einbahnstraßen.

Jorge (Chorchi gesprochen) ist 29 Jähriger Tiermedizinstudent und hat neben einem perfekt erzogenen Schäferhund den er auf der Straße aufgegabelt hat, 6 Pferde auf einer kleinen eigenen Reitschule am Stadtrand von Villa Mercedes.

Die Stadt ist recht langweilig aufgrund ihrer Eigenschaft, die sie so bemerkenswert macht: Alles ist rechteckig! Auch sind alles Einbahnstraßen, immer abwechselnd. Das macht es übersichtlich, praktisch und logisch, doch es ist weder schön noch lebendig und die Orientierung viel mir verdammt schwer, weil alles gleich aus sieht. Doch was will man machen, es gibt keinen Grund etwas anders zu bauen. Die Landschaft ist potteben und der Boden überall gleich sandig.

Die idyllische und öde Pampa vom Pferd aus mit Jorge auf seiner Stute. Eine dürre Steppe, in der es vor 7 Monaten zum letzten Mal geregnet hat.

Jorge war über 6 Monate in Deutschland und kann daher perfekt deutsch, was mir natürlich sehr hilft. Er erklährt mir viel über die Stadt und die Leute und nach dem Mitagessen gehen wir reiten. Seine Reitschule hat er ganz alleine in der Pampa aufgebaut und sie ist wirklich schön. Da er gerade studiert, ist sie nicht voll ausgelastet und so macht er nur Reittherapie für behinderte Kinder.

Relampago ist Herdenchef und sein Name bedeutet "Blitz"

Ich darf sein 20 Jahre altes Springpferd Relampago reiten. Als wir so durch die trockene Steppe reiten, und die Hufe im Galopp die Erde aufwirbeln, so dass der Wind sie in Staubwolken davonträgt, frage ich Jorge wann es zum letzten Mal geregnet hat. „Weiß ich nicht“ sagt er kurz. So genau wollte ich es nicht wissen, etwa 5 Tage oder 2 Wochen. „Ca. 7 Monate gabe es kein Regen“ sagt er dann. Klar, dass man bis dahin vergessen hat, wie sich Regen anfühlt. Doch ganz so extrem trocken wie dieses Jahr ist es normalerweise nicht.

Am 30. August ist hier „Festa Rosa“ weil es dann zum ersten Mal weider regnen wird. Das ist jedes Jahr so, warum am 3o. August, weiß allerdings niemand hier, doch jeder fiebert diesem stürmischen Tag entgegen.

Was jetzt im Winter grün ist, wird bewässert und das leisten sich nur die Beef-Erzeuger. „Ser Beef“ nennt sich der Konzern hier bei Villa Mercedes, der in Hallen Kühe mastet, die so eng stehen, dass sie sich nicht bewegen können und somit schneller fett werden. Jorge als Veterinärmedizinstudent hat zugang zu diesen Hallen und beschreibt mir seine Erlebnisse. Diese erzeugen ein anderes Bild in mir als der offiizielle Werbefilm der Firma. (siehe: http://www.youtube.com/watch?v=Tf58CL7DqAo)

Nachts sind wir dann in die Hauptstadt nach San Luis zu Freunden gefahren und haben Musik gemacht. Leider gibt es hier keine Musiklehrer doch dennoch machen die Studenten sehr gerne Musik in ihrem quadratischen Wohnumfeld. Sogar Geige und Cello bringt sich Jorge selber bei. Ich hoffe durch meinen Besuch konnte ich etwas helfen. Doch auch ich habe die Tangorythmen kennen gelernt. Siehe video.

Die quadratische Touristenstadt Mendoza ist erstaunlicherweise viel wärmer als die anderen windigen Städte der Pampa.

Das ging bis 4 Uhr nachts. Am morgen bin ich dann um 9 aufgestanden um ein Gymnasium zu besuchen wo die Jorges Mutter Geschichtslehrerin ist. Sie behandelte gerade die beiden Weltkriege und dar war ich natürlich als Deutscher ein willkommener Gast um einen dieser Verbrecher einmal life zu sehen… So war es dann nicht, denn die 15-Jährigen Schüler waren super nett, interessiert und so aufmerksam, wie ich es aus Brasilien gar nicht mehr gewohnt war. Trotz meiner spanischen Bruchlandung schienen sie alles zu verstehen. Die Sprache die ich einsetze nennt man hier Portonol, ein Mix zwischen Spanisch und Portugiesisch. Nach dem ich besonders die Trennung Berlins und die aktuelle Lage meiner Nation erläutert hatte brachte ich ihnen das Lied „Ein kleiner Mann“ bei.

Zum Abschluss habe ich für die Nette Familie (größtenteils im Rentenalter) noch ein Cellokonzert gegeben und bin dann losgereist. In den sandig-staubigen Winden der argentinischen Steppe färbt sich die untergehende Sonne leuchtend rot und am himmel eichnet sich bereits ein farbübergang von lila-rot zu kaltem Blau als wir über die Granze zwischen den Staaten San Luis und Mendoza fahren. Ein fast ausgetrockneter Fluss zeiht einen Graben durch die sonst so eintönige Ebene und Markiert die Grenzlinie. Es ist trocken und nachts kann es bis zu -20 Grad werden.

Doch ich komme bei Dunkelheit in Mendoza an. Hier am Fuße der Anden ist es viel wärmer. Morgen werde ich zum ersten Mal die schneebedeckten Anden erblicken, die ich dann überqueren werde…

Die untergehende Sonne über der Pampa.

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