Auf meiner Reise begegne ich oft der extremen Lebensmittelproduktion. Beim Trampen fahre ich mit Sojatransportern vom Feld in die Lagerhalle, mit Rindertransporten in den Schlachthof, mit Hühnchenfleischlieferanten vom Schlachthof in den Hafen und mit chemischem Futter zurück in die Massentierhaltung. Die Lkw-Fahrer sind immer liebe Menschen, schwer arbeitend um der Bevölkerung weltweit das wichtigste der Bedürfnispyramiede zu geben: Essen. Doch in dem Maße, wie es in unserem profitorientierten System praktiziert wird, riskieren wir unsere Gesundheit, quälen Tiere und zerstören unseren blauen Planeten. 

Spätestens seit wir unsere Lebensmittelversorgung an die Börse verkauft haben, hat sie nicht mehr das Ziel den Hunger der Verbraucher zu stillen, sondern finanziellen Profit zu machen. Dabei ist die Wallstreet sehr weit entfernt von einem Bauern in Niedersachsen oder einem modernen Gaucho in Argentinien. Doch sobald er seine Erzeugnisse öffentlich verkauft, unterliegen sie dem Preis, der Spekulation und der Konkurrenz an der Wallstreet.

Dort fragt keiner ob es schmeckt, ob die Kuh gesund war oder die Natur erhalten bleibt. Hier fragt man nur nach dem Geld und das Geld ist wie ein Keil zwischen Bauern und Verbraucher geraten und verhindert deren gesundes und natürliches Zusammenarbeiten. Die Bauern werden dadurch zu Sklaven des Kapitalmarktes.

Schlachtviefütterung im zentralargentinischen Staat San Luis.

Komplizierte Verträge und große Kredite, welche die Konzerne an ihre liefernden Farmer vergeben und von denen die Farmer abhängig werden, zwingt die Farmer dazu, Umwelt, Tiere und Menschen zu ignorieren und nur noch den Profit ins Auge zu nehmen um, sich nach den Wünschen der Konzerne zu richten. (Siehe mein Märchen der Erdnussbauer in Parana, Brasilien)

Dazu der gute amerikanische Film Food Inc. (nicht alle Inhalte des Films spiegeln meine Meinung oder decken sich mit meinem Wissen)

Besonders in den USA, wo dieses Problem und der Einfluss von der Gensaatgutfabrik Monsanto am größten ist, versuchen immer mehr menschen zurückzurudern und bilden Gemeinschaften, die gemeinsam eine Farm haben. CSA, Comunity Supported Agriculture, so nennt sich diese Prinzip international. Dabei teilt sich eine gewisse Anzahl von Personen, eben gerade so viele, wie die Farm versorgen kann, sämtliche Unkosten der Farm und erhält im Gegenzug alle Produkte.  Die Kosten zahlen sie am Anfang jedes Monats an den Bauern und geben ihm damit die finanzielle Möglichkeit alles anzubauen.

Damit wird die Farm zu ihrer Farm und die Verbraucher nicht mehr unbekannte Kunden, sondern zum Mitgliedern der Farm. Entscheidungen muss der Landwirt nicht mehr alleine Fällen, er muss auch keine Vermutungen anstellen, wofür der Kunde am meisten zahlt, sondern er bespricht sich einfach mit der Hofgemeinschaft. Auch braucht er keine Kredite bei anonymen Finanzinstituten beantragen, die keinerlei Interesse am Hof, den Tiere und den Menschen haben, sondern bekommt sein Geld direkt von den Verbrauchern, deren Ziel eine gesunde Ernährung ist.

Damit wird aus dem Wirtschaftsbetrieb eine soziale Skulptur. Jedes Mitglied der Hofgemeinschaft kann seine Ideen und Kritiken einbringen und gestaltet somit ein Teil der ganzen Farm. Denn es ist „mein“  Hof und es sind „meine“ Kühe. Und schon bald stehen nicht mehr Effektivität und Billig im Vordergrund sondern das wohl „meiner“ Kuh, die Gesundheit meines Freundes und Bauern und die Schönheit „meines“ Hofes und dessen Natur.  Dadurch, dass so viele Menschen involviert sind, wird der Bauernhof gleichzeitig zum kulturellen Treffpunkt.

Die Lebensmittelverteilung geschieht durch Depots möglichst in der Nachbarschaft der jeweiligen Verbraucher. Der Hof beliefert die Depots ein oder mehrmals Wöchentlich mit allen frischen Erzeugnissen wie Milch, Gemüse und Fleisch. Ein Depot teilen sich 20 Familien, die sich untereinander gut kennen und wissen, was ein jeder braucht und was er besonders mag. Auf einer Liste im Depot hakt jeder ab, der sich bereits seinen Teil geholt hat, so dass die Nachkommenden wissen, mit wem sie die verbleibende Wahre teilen müssen.

Auch auf der Demetria, einem Demeterbauernhof in Botucatu bei Sao Paulo, habe ich den Aufbauprozess einer solchen Farm miterleben können. Hermann Pullman, 50 Jähriger Steinmetzt, der allerdings lieber an unserer Gesellschaft meißelt, als an Steinen, baut dort diese Zusammenarbeit mit Verbrauchen und Erzeugern, mit Effizienz und Umweltbewusstsein im Rahmen seiner Masterarbeit im Fach Kunst an der Alanushochschule auf. Ich war sein Fotograph. (Siehe: csademetria.wordpress.com oder ein anders Beispiel aus Deutschland: entrup119.de)

Der Film „Farmer John“ hatte in den USA einen sehr großen Erfolg. In Deutschland wurde er komischer Weise als „anarchistisch“ nicht in den Kinos gezeigt. Hier ist er:

Genauso wie regionales Wirtschaften, Regionalwährungen und ähnliche Projekte wird dies als alternatives oder assoziatives Wirtschaften bezeichnet. Hoffen wir von diesen Projekten werden in Zukunft mehr entstehen um uns vom Finanzmarkt und dessen Kriesen zu befreien und uns auf die wahren Bedürfnisse und Grenzen der Natur konzentrieren zu können.

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