Montag bin ich bereits von Mendoza in die Voranden nach Uspallata gefahren. Dort habe ich eine Nacht bei -5 Grad und eisigem Wind überlebt. Dann folgte heute morgen endlich die Überquerung des Andenpasses nach Chile und mit Auto, Räumdienst und Lkw bin ich in der Hauptstadt Chiles angekommen. Die Stadt scheint viel reicher und viel ärmer als Buenos Aires, keinesfalls schöner doch dennoch charakteristisch.

Im letzen Moment erwische ich noch einen Lkw in die Voranden

Lange Schlangen von Lkw warteten darauf, in die Berge gelassen zu werden, welche wegen überfüllung bereits geschlossen wurden. Es schien fast aussichtslos, doch bei Dämmerung wurden noch einmal 200 bis nach Uspallata vorgelassen, und einer davon nahm mich mit.

Mich beruhigten die Aussichten des Fahrers, dass selbst hier in den trockenen Vorhanden, wo ein eisiger Wind pfeift, die Temperaturen auch nachts nicht unter 5 Grad fallen würden. Doch schon als ich bei Dunkelheit aus dem Lkw austeige, weil er durch Röntgenscanner fahren muss, wo die Ladung auf Drogen untersucht wird, fällt mir auf, dass der Wind-Chill faktor unter dem Gefrierpunkt liegt.

Kochen auf dem Feuer

Ich schwinge mich mit Sack und Gitarre in die Einsamkeit, wo ich zwichen dornigen Sträuchern und steinigem Boden nach einem geeigneten Schlaf- und Feuerplatz suche, außerhalb der Sichtweite des Dorfes. Die dünnen trockenen Äste helfen mir ein kleines aber heißes Feuer zu entfachen um Nudeln mit tomatensoße zu kochen. Ein angenehmes Gefühl, bei dieser Kälte etwas warmes im Magen zu haben. Doch kaum ist das Feuer erloschen, krabelt die Kälte unter die Kleidung.

Mit klammen Händen blase ich meine Isomatte auf und Bereite den Schlafplatz vor. Beim zähneputzen spüre ich meine Lippe nicht mehr, so kalt pfeifft der Wind. Den letzte Kälteschock gönne ich mir, während ich mein T-Shirt wechsel doch dann verkreiche ich mich schon im Schlafsack. Nach einer halben Stunde wird es darin mollig warm und nur die Nasenspitze muss dem pfeiffenden Eiswind aus den Bergen trotzen. Es ist eine sternklare Nacht, direkt unter der Milchstraße. Leider erkenne ich sonst nichts. Selbst das Kreuz des Süden, konnte mir bisher noch niemand zeigen.

Bei -5 Grad, eisigem Wind und strahlender Sonne sind die Berge Schneebedeckt

Am nächsten Morgen ist es dann doch recht kalt, selbst im Schlafsack. Das Wasser in meinem Kochgeschirr ist gefrohren und die umliegenden Berge sind mit einem weißen Flaum überzogen. Ich bin hier bereits auf 1000 m über dem Meer. Heute muss ich bis auf 4000 m um über den Pass zu kommen. Eine Ladung Kaugummis habe ich mir extra dafür besorgt, um dem Ohrendruck entgegen zu wirken

Als ich um 10 Uhr zum Rastplatz komme sind die meisten Lkw  bereits weg, doch nette Snowboarder aus den USA nehmen mich mit. In einem Skigebiet suche ich dann den nächsten und siehe da der Räumdienst nimmt mich mit. Er erzählt mir, wie er jedes Jahr weniger zu tun hat. Der Schnee, der früher viele Hütten komplett bedeckte, kommt heutzutage gar nicht mehr so hoch.

Vielleicht hätte ich doch statt der Gitarre ein Snowboard mitnehmen sollen.

Er fährt mich bis zur Argentinisch-Chilenischen Grenze wo ich von netten Grenzbeamten das Argentinische Visum in den Pass bekomme. Und schon geht es weiter bis nach Santiago.

Am Stadtrand fallen mir zwei Dinge auf: Riesiege Werbung für Autos und Luxusartikel und darunter Favelas. Auch das Bild des Stadtzentrums ist von Schuhputzer, Straßenverkäufern, Bettlern und großen Banken- und Industriegebäuden geprägt.

In Santiago treffe ich unerwartet auf einen interessanten Studenten und Künstler. Er warnt mich zunächt vor Dieben, als ich bedenkenlos die Straßen fotographiere und so kommen wir ins Gespräch.

Auf der chilenischen, schneereicheren Seite geht es in steilen Serpentinen hinunter.

Letzen Mittwoch gab es hier eine große Demonstration gegen den Landverkauf an amerikanische Unternehmen im Süden Chiles, in Patagonien. Dort gibt es die wichtigsten Süßwasserquellen, welche früher Chile gehörten und nun privatisiert wurden.

Viel unruhiger ist es hier jedoch gerade aufgrund des überteuren Bildungsystems. Ein Semester kann hier locker mal knappe 2000 Euro kosten, an öffentliche sowie private Universitäten. Doch gefähliche Demonstrationen sehe ich hier nicht, während mir in Argentinien noch alle davon abgeraten haben, Santiago zu besuchen.

Chile ist ein neon-reiches Land.

Die Fußgängerzone Santiagos mit Krawattenträgern, Schuputzern und Bettlern.

Bis 1973 war Chile eine erfolgreiche Demokratie in Südamerika vom linken Salvador Allende regiert. Doch mit Hilfe der amerikanischen CIA oder auch ohne, man wird es wohl nie genau wissen, wurde Allende gestürzt und ein neuer Herrscher, Augusto Pinochet übernahm das ruder. Seither wurde viel Privatisiert, für den Weltmarkt geöffnet und Kapitalisiert. Über 50% des Chilenischen Landes ist in Besitz von reichen Amerikanern, die dort „land grabben“ um ihr Geld wertsteigernd anzulegen.

Doch lange kann ich hier leider nicht bleiben. Zu viel Zeit habe ich in Mendoza verloren, auch wenn es schön war. Morgen werde ich gleich auf die „Ruta 5“ und nach Norden trampen. Mal sehen wie weit…

Weitere Links:

http://womblog.de/2011/05/23/chile-regierungserklrung-inmitten-von-tumulten/

http://womblog.de/2011/06/02/zweifel-an-selbstmord-allendes-nehmen-zu/
http://womblog.de/2011/06/01/chile-patente-auf-transgenisches-saatgut-geplant/
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