mit Diashow

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Der gestrige Tag war aus Trampersicht beschissen. Ich stande irgendwo im Tal an der Strasse nach Bolivien, wo so gut wie kein Verkehr war. Den ganzen Tag ueber sind blos zwei Autos angehalten, wollten mich dann aber nicht mitnehmen, weil ich keine 50 Dollar zahlen konnte. Tja am Abend musste ich dann wohl doch ein Bus nehmen und habe so Bolivien doch noch erreicht…

Mach Erfahrungen immer selber und lass dich nicht erfahren. (In Andenken an ein erfahrenes argentinisches Lama im Strassengraben)

Von San Pedro bis ins Tal von Jujuy bin ich mit einem deutschen Paar auf Weltreise gekommen. Ein schoener alter Mercedesbus, den sie gemuetlich eingerichtet hatten.

In der Berglandschaft und den hochgelegenen Steppen, nachdem wir den Pass mit 4.800 m ueberquert hatten, haben wir Lamas, Alpacas, Vicuñas und Cuanacos (alles Lamaarten) gesehen und viele Ziegen, wildpferde, Esel und Schafe, die dort frei herumlaufen oder manchmal von Hirten gehuetet werden, die in einesamen lehmbauten wohnen.

In einer Salzwueste wurde sogar Salz abgebaut und auf Lkw verladen. Bei der Abfahrt bis runter auf 2000 m, wo ich geschlafen habe, hatte ich enormen Ohrdruck wegen meinse SChnupfens und wiel ich Kaugummis vergessen hatte.

In der Steppe bei Volcan habe ich dann bei dunkelheit mein Nachtquartier eingerichtet. Hier sollte man eigentlich bei Daemmerung das Haus nicht mehr verlassen, da es hier wohl Leoparden gaebe, doch leider bin ich keinem begegnet.

Dafuer habe ich beim Kochfeuer entfachen fast die Steppe in Brand gesetzt, da ich zu viel von dem Trockenen gras genommen hatte, das der Wind nun brennend in die trockenen Buesche wehte. Ein kleiner Einsatzt mit Wuestensandwerfen und die gefahr war schon bald behoben.

Nachts war es gar nicht so kalt, doch weil ich sowieso schon einen mega SChnupfen habe und vermutlich auch Fieber, habe ich mich warm eingehuellt unter einen Busch gelegt. Am naechsten Morgen war mein Schlafsack mit einer gefrohrenen Taukruste ueberzogen.

Doch schnell eingepackt und eine nette runde durch das idillische Andendorf gedreht. Hier wird alles noch mit Hand gemacht. Gepfluegt wird mit Pferden. Tracktoren gibt es hier nicht. Ein extremer Gegensatz zu Mittel- und Suedargentinien, wo die grossen Agrarunternehmen fuer den Weltmarkt produzieren.

Ich kaufe Essen ein fuer den REst an Argentinischen Pessos die ich noch habe, vollen vertrauens, dass ich die nicht mehr brauchen werde, weil ich ja eh gleich in Bolivien bin. Doch so schnell geht es dann doch nicht

Kein Mensch haelt hier um mich mitzunehmen. Eine grosse Umstellung fuer mich, da ich in chile nie laenger als 30 min. warten musste. Ein auto nimmt mich mit in die Naechste Stadt doch als es daemmer reist mir die Geduld. Ich hebe nochmal 40 Pessos ab (7 €) und nehme die 3 Stuendige Busfahrt in Kauf.

Es geht vorbei ein gruenen und trockenen Hochebenen ebenfalls mit viel Lahma und Kuhwirtschaft. Oft sieht man runde Frauen, eingehuellt in farbige Tuecher, die trockene Streucher zum Feuermachen sammeln. Es ist wieder ein idyll und ich ueberlege, einfach aus dem Bus zu springen und eine NAcht hier zu verbringen.

Doch bei Dunkelheit um 7 Uhr erreiche ich La Quiaca und ueberquere die Grenze zu Bolivien.

Kein Plan, was ich nun hier machen soll. Alles so anonym, ich kenne keinen und weis auch nicht wie weit es bis zum Stadtrand sind, wo ich schlafen koennte. Mein Fieber macht etwas Kopfweh und daempfte mein Reisefieber. Ich schlenderte die dunklen Strassen entlang, ist Bolivien nicht doch etwa so gefaerlich, wie mir alle die letzten Tage ueber sagen.

Eiener alten Bolivianerin, traditionell gekleidet, helfe ich ihre Saeck von einer Art Chips in ihre Wohnung zu tragen. Eigentlich ist sie von Copacabana, einer Insel auf dem Titicacasee und verkauft hier an der Grenze nur ihre Sachen. Ich biete ihr noch etwas Essen an, das ich in Argentinien noch gekauft hatte und sie nimmt es dankend an. Sie haette sonst nichts, sagt sie mir und verkauft einen ihrer Chipstueten uberteuert an mich. Doch es tut gut, jemanden helfen zu koennen. Bolivianer betteln uebrigens gar nicht.

Ich wanke weiter. An einer dunkeln Bushaltestelle wartet ein etwa 7 Jaehriger Junge auf seiner Eltern. Ich geselle mich zu ihm und spiele etwas gitarre. Er hoert erstaunt zu. Dann bringe ich im den „na na na“ refrain von „White Dove“ der Scorpions bei und er singt leise mit. Ab da singt er bei allen lieder mit, ob deutsch, englisch, portugiesisch, russisch oder franzoesisch. Er ist hell begeistert und mein Tag ist gerettet. So singen wir ca. 30 min. bis auf einem klapperigen Fahrrad sein Vater kommt mit der Mutter auf dem gepaecktraeger. Der Kleine sagt Chau und schwingt sich auf den Lenker in die Arme seines Vater und zu dritt auf einem FAhrrad verschwindet die kleine Familie in der Dunkelheit.

Ich schlender weiter und siehe da, eine frau im Jeep fragt mich ob ich irgendwie verloren ware. Ich sage ja, weniger weil ich es wirklich bin, als weil ich einfach Menschen treffen will und nicht mehr Tourist 50325 sein moechte.

Sie laed mich in ihr Jeep und holt ihre Geschwister ab. Ich wir schwazen etwas und da stellt sich heraus, dass sie eine Tochter hat, die sogar eine GEige hat, aber hier gibt es keinen Lehrer. Als sie mich im Hostel ablaed, verspreche ich ihr am naechsten Morgen unterricht zu gegeben.

Das Hostel kostet gerade mal 22 Bolivianos was exact 2 € sind. Heute morgen habe ich dann eine warme leckere nudelsuppe fuer 5 Bolivianos (knapp 0.50€) gegessen. Alles echt locker und sehr billig.

Also ich muss los, jetzt bin ich kurz mal Geigenlehrer die warten sicherlich schon.

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