Nachdem ich noch mit den Straßenkinder der „Fundacion la Paz“ geredet und gesungen habe, bis sie abends in die Schule wollten, habe ich einen spannenden Couchsurfer getroffen. Duschen ging dort leider nicht, aber ich bin gut weitergekommen durch die grünen Hochebenen wo früher die Incas und andere Stämme wohnten bis an den Titicacasee. Dort habe ich eine Nacht im Stroh gepennt, und nachdem Badengehen an einer Eiskruste und tiefem Matsch gescheitert ist, bin ich mit dem nächsten überfüllten Sammeltaxi nach Puno und von dort nach Cusco. 

Der Blumenmarkt in La Paz

Der Besuch der Einrichtung für Straßenkinder in La Paz war wirklich nett.  In einem anderen Stadtteil konnte ich noch ein Hinterhof besuchen, wo die Kinder wirklich leben können. Hier haben wir Fußball gespielt bis die Kinder in die Schule wollte. Straßenkinder haben hier eine spezielle Schule, die sich ihrem Können und nicht ihrem Alter anpasst. Dadurch haben die Kinder immer das Gefühl gut zu sein und können so auf die wirkliche Schule vorbereitet werden, nachdem sie lange auf der Straße waren und viel verpasst haben.

Diese als Zebra verkleidete Straßenkinder regeln auf sehr lustige Weise den kaotischen Verkehr, machen ihn dadurch sicherer und helfen Kindern und Alten sicher durch die Stadt. Vom Rathaus erhalten sie ein kleines Gehalt.

Eine nette Idee dieser Organisation sind auch die „Zebras“. Verkleidete Straßenkinder in Zebrakostüm, die auf den Kreuzungen rumhüpfen und den Chaotischen Verkehr regeln. Das funktioniert echt gut und ist super lustig.

Straßenkinder der Fundacion la Paz tragen beim Schuheputzen eine Sturmmütze, einerseits wegen der Kälte andererseits wegen der gesundheitlichen Gase der Schuhcremen.

Couchsurfing ist immer ein Abenteuer denn man weiß nie, zu wem man wirklich kommt. In La Paz war es besonders spannend, denn ich kam zu einem Straßenkünstler, der eigentlich arbeitslos ist und nichtmal Geld zum Essen hat. Er hatte ein besonders markantes Gesicht und fühlte sich wie Bob Marley. Er war überglücklich, dass ich ihn besuchte und dazu noch Gitarre spielte. Wir spielten den Redemtion song. Selig sind die verrückten.

Duschen konnte ich leider auch hier nicht, denn er konnte seine Stromrechnung nicht bezahlen. Vor einiger Zeit hat Bolivien den bisher größten kapitalistischen Anschlag abgewehrt: Die Privatisierung des Wassers. Nach dem das Wasser eine Zeitlang in privater Hand war und die Preise dadurch drstisch stiegen kamen heftige Proteste auf, bis das Wasser wieder verstaatlicht wurde und es nun zu einem annehmbaren Preis zu haben ist. Seine Wasserkosten liegen bei 10 Bolivianos (1 €), was eigentlich ein angemesserner Preis ist, wenn man bedenkt, dass für einfach arbeiter oft der Tagesverdienst gerade mal 10 Bolivianos betrgägt. Den Kampf ums Wasser verdeutlicht dieses Video sehr schön.

Im nächtlichen Zentrum von La Paz mit meinem Couchsurferfreud in der Mitte.

Strom, Fernsehen und Internet sind aber immer noch in privater Hand und daher sehr teuer. Da das Wasser mit Srom erbitzt wird, konnte ich also nicht duschen. Er selbst hat auch seit 15 Tagen nicht mehr geduscht, wie er mir sagt. Ein extremer Unterschied zu den 3 ma täglich duschenden Brasilianern. Internet wurde ihm bereits gakappt. Telefon auch. Nur Fernsehen wird scheinbar nie gekappt, obgleich er das seit 6 Monaten nicht bezahlt hat.

Freitag bin ich dann früh aufgestanden um nach Peru aufzubrechen. Adamis wollte dann unbedingt noch ein Gastgeschenk. Meine Kamera oder mein Fahrtenmesser hielt er dabei für geeignete Gegenstände, doch Schulssendlich habe ich ihm nur eine 4 GB SD-Speicherkarte dalassen können.

In den Straßen von La Paz habe ich erstmal lecker gefrühstückt. An jedem Stand an der Straße habe ich angehlaten und ein leckeres Gebäck, ein Saft oder sonst etwas selbstgemachtes gegessen. Es ist einfach so lecker und günstig. Würde ich länger in Bolivien leben, so wäre ich in Kürze so dick wie die Bolivianischen Frauen in ihren farbigen Röcken und den bunten tragetüchern auf dem Rücken.

Markt an der Peruanischen Grenze.

Eine Bäuerin vom Titicacasee mit ihrem Baby im Tragetuch, dass sie sonst auf dem Rücken trägt.

Eine Bäuerin vom Titicacasee mit ihrem Baby im Tragetuch, dass sie sonst auf dem Rücken trägt.

Traditionelle Bäuerin mit ihrer Schafherde

Gerade mal 15 Bolivianos  (1,50 €) hat mich die 2 Stündige Fahrt von Lima nach Desaguadeiro am Titicacasee, der Grenze zu Peru, gekostet. An der Grenze ist ein sehr großer Markt, denn alle Peruaner kaufen in Bolivien ein, dass halb so teuer ist, als das ebenfalls sehr billige Peru. Hier gibt es alles von Essen über Kleidun bis zur Computertechnik, illegal angeboten von der Mafia. Wie meine Couchsurfer mir erzählen, gibt es hier zwischen Paraguay, Bolivien und Peru einen regen Schwarzmarkt, den die Grenzbeamten gewinnbringen Passieren lassen.

Mich hingegen halten sie etwas fest, weil mir ein Stempel fehlt, den der Grenzbeamte in Villazon nicht geben wollte. An der Grenze spielte gerade eine Peruanische Blasband, die jedoch im Grenzgebäude kaum zu hören war. Wie so oft holte ich einfach meine Gitarre raus, da mit Musik oft alles plötzlich ganz schnell geht. Doch hier schnautz mich nur ein Beamter an, ich solle doch die Band respektieren. Tja, da wurde das ganze Verfahren noch komplizierter. Doch ich kam rüber.

Dass die Häuser so verstreut liegen, deutet auch daraufhin, dass es keine Wasserleitungen gibt.

Die Hochebenen, sobald man aus dem Stadtgebiet von La Paz und El Alto hinauskommt, sind traumhaft schön. Es gibt keine Zäune und in der grünen Landschaft verstreut liegen viel Gehöfte. Es ist eine sehr kleine Landwirtschaft und alles Handarbeit. Kühe, Esel, Schafe, Schweine und Vacuñas (eine Art Lama) sind meist angepflockt oder werden von Kindern zwischen 8 und 12 Jahren gehütet. Abends werden sie zum Bauernhaus geholgt und mit hand gemolken.

Von der Grenze nahm mich einTransporter für 2 Soles (0,50€) bis in die kleine Stadt Pomata mit. Dort gibt es eine alte Kirche von 1715 in der ich von ein paar Soldaten viel über die Ureinwohner hier erfahren habe. In dieser Region lebten die „Pumas“ welche „Aimaya“ sprachen, das viele (auch die Soldaten mit denen ich in der Kirche bin) bis heute sprechen. Weiter nördlich kommen dann die Incas und Mayas und die Sprache „Kechua“ ist weit verbreitet und bis Heute noch gebräuchlich. Schon am Grenzübergang zu Peru gab es einen Herrn, der für die Indigenen Frauen, die kein Spanisch sprechen (geschweige denn schreiben) konnten, die Immigrationspapiere ausfüllte.

Pflügende Bauern am Titicacasee

Pflügende Bauern am Titicacasee. Die Frau dahinter säht bereits Weizen

Der Titicacasee hat Trinkwasserqualität und ist Umgeben von schöner Landwirtschaft.

Bei Dämmerung bin ich dann ein paar Bauern begegnet, welche mit ihren Ochsen gepflügt haben. Sie erlaubten mir in einem Strohhaufen am Acker zu schlafen. Und tief eingehüllt in im Stroh habe ich auch diese Nacht unter 0 Grad auf 3.800 Metern am höchstgelegenen schiffbaren See gemütlich überstanden.

Nach einem schönen Sonnenaufgang habe ich versucht im Titicacasee zu baden. Doch dieser versuch ist an einer dünnen Eisschicht am Ufer, worunter tiefer Matsch war, in dem ich bis zum Knie im Eiswasser versank, gescheitert. Mit halbabgefrohrenen Beinen musste ich den Versuch als gescheitert erklären.

Zugefrohrenes Ufer des Titicacasees. Baden ist auch auf Grund des tiefen Matsches unter der Eisschicht unmöglich

Zugefrohrenes Ufer des Titicacasees. Baden ist auch auf Grund des tiefen Matsches unter der Eisschicht unmöglich

Der nächste Kleinbus (Coletivo genannt) nahm mich dann bis nach Puno mit, von wo aus die Busse nach Cusco fahren. In diesen Kleinbussen sitzt man dicht gedrängt zwischen dicken Frauen und zahnlosen Männern. Eben die glückliche Landbevölkerung, welche nach Tabak, Schaf und Schweiß stinkt. Doch man kommt an und erfährt viel über die Landschaft.

In Puno bin ich dann wieder über den Markt gelatscht, wo es besonders viel Kartoffelsorten gibt. Hier in den Anden haben die Incas die einst giftige Kartoffel gezüchtet, und von hier aus kam sie in die ganze Welt. Auch in dem traditionellen Mittagessen „Servite“ kommen verschiedene Kartoffelsorten drin vor.

Die Marktfrau mit Servite, dem Leckeren Mittagessen.

Die fahrt von 8 Stündige Fahrt von Puno nach Cusco kostet 15 Soles (4 €) wird aber an Touristen für 25 verkauft. Diese bekomme ich aber nach etwas Stressmachen in  Cusco wieder zurück. Auf der Fahrt nach Cusco geht es durch traumhafte Berglandschaft. Es gibt keine Bäume und die Hütten sind komplett aus Lehm. Überall sieht man Bauern ihre Kühe hüten, Kinder spielen und Frauen am Straßenrand gekochtes verkaufen. An einer Baustelle, wo der Bus warten muss, steigt eine dieser Frauen in den Bus und holt aus ihrem Tragetuch ein komplettes gebratenes Lamm. Mit den Händen kupft sie es in kleine Stücke und serviert es mit Kartoffeln und leckeren Kräutern an die Fahrgäste. Der Busfahrer verteilt hinter hier Klopapier zum Hände abwischen.

Hier in Cusco treffe ich dann auf ein sehr nettes Couchsufer-Paar. Als ich anrufe sind sie gerade auf einem Konzert von „Calle 13“ welche hier in Südamerika sehr beliebt ist, weil sie dem Volk aus der Seele spricht. Sie singen für eine freies Lateinamerika, gegen das Diktat der Industriemächte, besonders den USA, die hier sehr unbeliebt sind und gegen die Armut. Ich kam durch Zufall kostenlos auf das Konzert, nach dem ich meinen Rucksack in einem schicken Hotel abgeladen hatte, das einem Freund der Couchsurfer gehörte. Es war ein klasse Konzert und ein schönes Ankommen in Cusco.

Fotos kann ich leider gerade nicht einfügen, da die Speicherkarte, die ich in Paraguay gekauft habe, nicht funktioniert.

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