Wäre ich nicht sicher in Deutschland gelandet, könnte ich das hier nicht schreiben, also brauche ich das nicht erwähnen. Gestern 3 Uhr morgens in Lima (Peru) gestartet, kam ich Vormittags in Panama an und anstatt in der klimatisierten Abflughalle zu warten bin ich bei tropischen Temperaturen durch eine kleine Favela gestapft, bis mir der Schweiß ausging. Doch, kaum erkenne ich die schöne deutsche Natur wieder, kann ich nur eines sagen: Ich bin überglücklich, wieder hier zu sein.

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In der ewiglangen Schlange der Migration am Frankfurter Flughafen und bei dem mörderst komplizierten Fahrkartensystem der DB, zweifle ich noch mal sehr stark daran, ob ich wirklich so froh bin, wieder in der Heimat zu sein. Dann kaufe ich mir ein Wochenendticket für 40 €, was 80 brasilianische Reais, 230 argentinische Pesos, 25.000 Chilenische Pesos, 400 Bolivianos oder 150 peruanischen Soles entspricht. Nur zum Vergleich, der Nachtbus von 18 Std. Fahrt nach La Paz kostet in Bolivien umgerechnet 7 €.

Zurück in Deutschland!

Doch kaum verlässt der Zug den Flughafen, trifft mich der Schlag! Wo sind die Favelas? Statt durch Müllhalden und Elendsviertel aus denen schwarze Rauchwolken der Müllverbrennung aufsteigen, ziehen schöne, tiefgrüne Wälder vorbei mit Wanderwegen und gemütlichen Sitzbänken. Alles sieht geordnet aus. Steile Dächer, grüne Vorgärten. Es muss verdammt reich hier sein, doch wo sind die hohen Mauern und Stacheldrahtzäune?

Im Zug allerdings wird gleich um Ruhe gebeten, als ich meine Gitarre auspacke, die in Südamerika oft unter Menschen zu spontanen Festas ausgelöst hat und mir immer eine Übernachtungs- oder Mitfahrgelegenheit garantierte. Der Zug ist doch kein Ort für Lärm, hier möchte man doch ungestört reisen.

Und die morgendliche Bimmelbahn ist voll von Türken, Albanern, Tunesiern, Pakistanen und vielen mehr, die fröhlich ihre Kinder versorgen. Und ich stelle fest, wie ich diese Kopftücher und das markante Deutsch mit dem rollenden „R“ vermisst habe. Ein Jugendarbeiter ist mit einer 20 Köpfigen Jugendgruppe von Imigrantenkindern unterwegs, die gleich ein brasilianisches Lied hören wollen und daraufhin singen wir zusammen Bruder Jakob. Ist das herrlich hier. Ohne weit zu reisen, sehen wir gleich fremde Kulturen!

Ich gehe zurück in mein Abteil und setzte mich neben einen Rumänen, der meint, kein Deutsch zu verstehen. Doch irgendwie verstehen wir uns, wobei er mit mir nicht reden will. Er versteht nicht, warum ich mit ihm reden will. Rein aus Interesse eigentlich, wie eben alle Brasilianer mich anquatschten, sobald ich meine blonden Haare lüftete. Auf meine Frage wie lange er schon da ist, antwortet er nicht, sondern gibt mir einen leichten Tritt, damit ich mich weiter weg setze.

So wie mich Drogenhändler bei meinen Streifzügen mit Kamera durch Favelas vor Überfällen warnten, so warnte er mich vor dem Ansprechen von Immigranten. Besonders bei der Frage wie lange jemand bereits in Deutschland ist, das was mich jeder Brasilianer als erstes gefragt hat, könnte ich leicht verschlagen werden. Was geht denn da ab?!?

Ok, kurz noch in Stuttgart an die S21 Widerstandstände getreten. Ich fühle mich etwas an den Bildungsprotest in Chile erinnert, auch wenn kein Zweifel besteht, hier nehmen es die Leute ernster.

Lateinamerika Reise:

Reiseroute: Sao Paulo, Montevideo, Buenos Aires, Santiago, Villazon, La Paz, Cusco, Lima

Strecke: knappe 10.000 km

Fortbewegung: Trampen (Bolivien: Bus)

Reisezeit: 1 Monat

Übernachtung: Camping und Couchsurfing.org

Reisekosten: 325,00 €

Am Flughafen in Panama: Glaube nicht dass die Dinge sich ändern, wenn wir immer nach der gleichen Art Handeln (Albert Einstein)
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